Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310958
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Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Allgemeiner Theil. 
aus seiner früheren Baseler Epoche das Gesammtverhältniss 
meistens ein gedrucktes, und es giebt sich darin der Einfluss 
nordischer Gewohnheiten, die Sitte niedriger Wohnräume, wie 
sie Deutschland und der Schweiz eigen war, kund. Auch die 
Composition der Darmstädter Madonna ist nicht frei von diesen 
Mängeln, aus denen man in diesem Falle nicht ein Verdienst 
des Meisters machen sollte. Dass er übrigens in seinen Altar- 
bildern mit Weiser lllassigung in Anwendung von architektoni- 
schcm Beiwerk verfährt, beweist eben jene Madonna des Bürger- 
meisters Meyer und noch mehr das Solothurner Bild!) 
Wie aber Holbein sich im Laufe der Zeit im Verständniss der 
Architekturformen entwickelte, erkennt man an den späteren Ar- 
beiten. Der Erasmus im Gehaus, welcher den Titel zur Gesammt- 
ausgabe der Werke dieses Gelehrten bildet und sicher vor 1540 
entstanden ist, zeigt nicht blos schlanke Verhältnisse, eleganten 
Aufbau des Ganzen, sondern im Einzelnen sogar schon Formen 
des beginnenden Barocco, wie sie Michelangelo und seine Schule 
zuerst in die Architektur einführten. Reiner und edler als dieses 
Werk, ja wohl ohne Frage die vollendetste architektonische 
Schöpfung der gesammten deutschen Renaissance ist der Entwurf 
zu einem Kamin, wahrscheinlich für ein Schloss Heinrichs VIII 
bestimmt, welchen man im British Museum sieht. 2) In Form 
eines Triumphbogens angelegt, in vollendet schönen Verhältnissen 
durchgeführt, mit köstlichen Ornamenten und Bildwerken ge- 
schmückt, verbindet dies Prachtwerk die heitere Dekorationslust 
der Frührenaissance mit der reifen Schönheit des entwickelten 
Stiles, ohne alle Beimischung barocker und manierirter Elemente, 
wie sie die Architektur auf dem vorher besprochenen Blatte doch 
schon zeigt. Hier ist ungefähr dieselbe Höhe erreicht, welche 
ein Andrea Sansovino einnimmt. 
Aber noch viel fruchtbarer ist die Thatigkeit, welche Holbein 
den verschiedenen Kunstgewerben widmet. Wie erzur Neu- 
belebung der Glasmalerei beigetragen, sahen wir bereits. .Nicht 
minder cinflussreich war schon in seiner ersten Baseler Epoche 
sein Wirken für den Holzschnitt. In zahlreichen Büchertiteln, in 
den Randverzierungen, in den Signeten für die Buchdrucker, 
überall quillt ein reicher Strom von Ornamentik in den Formen 
1) Das Lissaboner Bild, welches Woltmann ihm unbedenklich beimisst, 
muss ich Holbein nicht bloss nach der wenig belebten Anordnung, (lem 
Charakter der Köpfe und der Gestalten, sondern besonders nach den Formen 
der Architektur absprechen; alle diese Dinge scheinen mir durchaus nieder- 
ländisch.  z) Photogr. herausgeg. v. South Kensingt-on Museum.
        

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