Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318042
770 
Buch. 
III. 
Die Renaissance in Deutschland. 
Kirche ist ein Bau derselben Zeit, ebenfalls aus Backstein, die 
Gliederungen in Sandstein, namentlich die hohen Rundbogen- 
fenster, welche gothisirendes Maasswerk zeigen. Der Bau ist in 
Kreuzform angelegt, mit hohen einfachen Giebeln, alles ziemlich 
nüchtern. 
Ein merkwürdiges Renaissancewerk besitzt die an" sich sehr 
unbedeutende Grosse Kirche St. Oosmas und Damianus.1) Es 
ist das Denkmal des 1540 gestorbenen Grafen Enno II von Ost- 
friesland, 1548  jedenfalls von Niederländischen Künstlern  
ausgeführt. Die Marmorfigur des Verstorbenen, auf dem Sarko- 
phag liegend, ist schon sehr modern und wohl stark restaurirt; 
aber überaus originell zeigt sich die Einfassung der Kapelle. 
Elegante dorische Säulen wechseln mit phantastischen Hennen, 
welche Löwenköpfe haben, und deren Füsse wie aus Futteralen 
hervorragen: Formen, die in der französischen und niederlän- 
dischen Renaissance öfter vorkommen. Dazwischen sind kleinere 
Theilungen durch Hermen und Karyatiden, abwechselnd mit den 
elegantesten ionischen Säulchen hergestellt. Die Postamente der 
grossen Säulen und Hermen sind mit Trauergestalten dekorirt. 
Endlich sieht man oben in den fünf Bogenfeldern und den Friesen 
die ganze Leichenbestattung, die Züge der Trauernden mit der 
Bahre, den Leichenwagen und das Gefolge der Leidtragenden 
in trefflich ausgeführten Reliefs. Es ist als ob man die Be- 
schreibung eines jener prunkvollen fürstlichen Begräbnisse der 
Zeit lebendig werden sähe. In der Mitte baut sich sodann auf 
Pilastern ein Baldachin mit Tempelgiebeln auf. Nach innen sind 
statt der Karyatiden nur ionische Säulenreihen in eleganter Canne- 
lirung dem Bau vorgesetzt. Der obere Baldachin stützt sich hier 
auf zwei wachthaltende Krieger. Das Ganze trägt durchaus das 
Gepräge französisch-niederländischer Kunst. 
Etwas weniger ausgiebig ist Oldenburg; doch bieten die 
älteren Theile des Schlosses, am nordöstlichen Sockel mit 1607 
bezeichnet, einen wenn auch nicht bedeutenden Rest dieser Zeit, 
welcher sich indess immerhin charaktervoll von den späteren 
kasernenartigen Zusätzen unterscheidet. Es sind zwei Stockwerke, 
denen in der Mitte ein drittes Geschoss aufgesetzt ist. Die breiten 
dreitheiligen Fenster, mit gebrochenen Giebeln geschlossen, haben 
eine Einfassung von Hermen und barockgeschweiften Rahmen. 
1) Ausserdem eine Messingplatte des Priesters? Ilgrmann Wessel aus 
Rostock (1- 1500) ein edles spätgothisohes Werk, nqxtfemfm gTgvlftili Pär- 
stellungen, in der Mitte die grosse Gestalt ChrlSth rmgs on 9111911 
Heiligenüguren umgeben.
        

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