Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1318004
766 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
weilen den Erker anwendet. Er kam ihr Wahrscheinlich eben- 
daher, wo sie auch den Sandstein zu ihren Bauten holte: aus 
der oberen Wesergegend. 
Dass man an den städtischen Bauten durchweg die Quader- 
construktion wählte, haben wir schon gesehen. Das glänzendste 
Beispiel dieser Art ist das ehemalige Krameramthaus, jetzt 
Gewerbehaus bei der Ansgarikirche. Es ist ein grossartiger 
Prachtbau, dessen üppige Formen bereits das 17. Jahrhundert 
verrathen. Zwei colossale Giebel, durch eine Balustrade ver- 
bunden, bauen sich an der breiten Fagade auf. In der Mitte 
des hohen mit gewaltigen dreitheiligen Fenstern fast völlig durch- 
brochenem Erdgeschosses ein Portal mit korinthischen Säulen, 
reich mit Figuren geschmückt, Alles bemalt und vergoldet. Das 
obere Geschoss hat fast eben so hohe Fenster von ähnlicher An- 
ordnung, wie sie überall in unseren nordischen Städten aus den 
Niederlanden eingeführt wurden. Zwei breite Friese, ganz mit 
Masken, Voluten und ügürlichem Bildwerk bedeckt, ebenfalls 
bemalt und vergoldet, schliessen die beiden Stockwerke ab. Die 
Giebel endlich erschöpfen mit ihren Nischen, Statuen, geschweiften 
Voluten alle Formen dieses üppig barocken Stils. Die den ein- 
zelnen Geschossen aufgesetzten schlanken Pyramiden sind sämmt- 
lich mit vergoldeten schmiedeeisernen Blumen gekrönt. Dießphan- 
tastische Pracht solcher Silhouetten überbietet selbst die reichsten 
Giebelcompositionen der gothischen Epoche, wurzelt aber trotz 
der Verschiedenheit der Formen in demselben ästhetischen Be- 
dürfniss. Auch der Giebel der Seitenfacade ist ähnlich behandelt. 
Der grossartige Bau hat im Aeussern und Innern eine sorgfältige 
neuere Herstellung erfahren. 
In Ostfriesland ist es namentlich Em den, welches für Re- 
naissance werthvolle Ausbeute bietet. Der saubere Ort mit seinen 
graden Strassen, den Backsteinhausern, den zahlreichen Kanälen, 
Brücken und Schleusen macht völlig den Eindruck einer hollän- 
dischen Stadt. Durch ihre günstige Lage schon früh reich und 
blühend, errichtete sie 1574 bis 1576 ihr stattliches Rathhaus, 
das ebenfalls den Einfluss der benachbarten Niederlande verräth. 
(Fig. 209). An der Hauptfront ganz in Haustein ausgeführt, hat 
es im Erdgeschoss und im oberen Stockwerk jene dichte Reihe 
hoher, durch steinerne Stäbe getheilter Fenster, die aus Holland" 
stammen. Darüber erhebt sich ein Halbgesehoss mit einer auf 
Oonsolen den ganzen Bau umziehenden Galerie, ein etwas später
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.