Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317953
XIV. 
Die norddeutschen Küstengebiete. 
761 
voll ausgebildeten Consolen und darüber eine durchbrochene 
Balustrade, mit kleinen Pyramiden und an den Ecken mit Sta- 
tuen besetzt. Darüber ragt dann in der Mitte der hohe Giebel 
des Erkers und auf beiden Seiten ein kleinerer Daehgiebel auf. 
Alle diese Zusätze sind dem Backsteinkern des Baues in durch- 
gebildetem Quaderbau angefügt. 
Muss schon die Composition als ein Meisterwerk ersten Ranges 
bezeichnet werden, so gehört vollends die Durchbildung zu dem 
Vollendetsten, was wir in diesem schon barock umgebildeten 
Renaissancestil in Deutschland besitzen. Die Schönheit der Ver- 
hältnisse, die meisterhafte Behandlung der architektonischen Glie- 
der, die Feinheit in der Ausbildung derselben übertrifft z. B. weit 
die Facade des Lübecker Rathhauses, ja in schwungvoller An- 
YVendung bildnerischen Schmuckes muss selbst der Friedrichsbau 
111 Heidelberg zurückstehen. Alle Flächen sind mit Sculpturen 
bedeckt, in den Zwickeln der Arkadenbögen sind es Figuren 
antiker Gottheiten und allegorischer Personitikationen; meister- 
haft aber vor Allem sind die grossen Friese prachtvoll bewegter 
Phantastischer Meeresgeschöpfe, Nachklänge jener berühmten an- 
tlken Gestalten, deren Erfindung im letzten Grunde bis auf Skopas 
zurückgeht. Ein stürmisch bewegtes Leben spricht sich hier mit 
Kraft und Kühnheit aus, als trefflichster Ausdruck für die in der 
Nähe des Meeres gelegene Seestadt. Dieser reiche Schmuck ge- 
Wlnnt an dem Erker und den Dachgiebeln erhöhten Glanz und 
Verbindet sich dort mit Säulenstellungen, Hennen und all den 
phantastisch barocken Formen dieser üppigen Zeit. Dazu kommt, 
dass das Figürliche, welches hier in solchem Umfang zur An- 
Wendung gebracht ist, grösstentheils von sehr geschickten Händen 
herrührt, so dass die Ausführung hinter der Absicht kaum zurück- 
bleibt. Nach alledem muss man den sonst unbekannten Meister 
dieses Baues, Lüder von Bentheim, zu den hervorragendsten Künst- 
16111 unsrer Spätrenaissance zahlen. Dagegen sind die zwischen 
den Fenstern beibehaltenen aus dem Mittelalter herrührenden 
Statuen ohne höheren Kunstwerth. 
Im Innern besteht das Erdgeschoss aus einer Halle, deren 
Decke auf einfachen Holzpfeilern ruht. Nur ein Portal in kräftig 
reicher Schnitzarbeit ist hier zu erwähnen. Auf einer elegant 
111 Holz geschnitzten Wendeltreppe gelangt man in den oberen 
Saal, der die ganze Ausdehnung des Gebäudes, 140 Fuss bei 
45 Fuss Breite und etwa 30 Fuss Höhe umfasst. Er hat eine 
111" barocken Formen gemalte Holzdecke, rings an den Wänden 
Tafelwerk, an der Fensterseite Bänke, welche die 5 Fuss tiefen 
Fellsternischen umziehen und mit hübsch geschnitzten Wangen
        

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