Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317927
758 
III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Grossen Zeiten, einen Bischofssitz, unter dessen Obhut die Stadt 
im frühen Mittelalter sich immer kräftiger entwickelte, bis sie im 
Kampf mit ihren Bischöfen sich allmälig zur Unabhängigkeit 
aufschwang und als Mitglied der Hansa immer machtvoller er- 
blühte. Aber Während im Anfang der neuen Zeit der reactionäre 
Rath von Lübeck sich lange und hartnäckig gegen die Refor- 
mation wehrte, gebührt Bremen der unvergängliche Ruhm, unter 
den niederdeutschen See-Städten zuerst Luthers Lehre mit Hin- 
gebung erfasst und durch ihren Eifer im Schmalkaldischen Bunde, 
durch hochherziges Standhalten nach der Schlacht von Mühlberg 
zur Rettung des Protestantismus vor dem Untergange wesentlich 
beigetragen zu haben. In der architektonischen Anlage der Stadt 
spricht sich ähnlich wie in Lübeck ihr doppeltes Wesen aus; 
aber während dort der Mittelpunkt der geistlichen Gewalt des 
Mittelalters an dem einen Ende der Stadt eine isolirte Lage ein- 
nimmt, steht hier der mächtige Bau des Domes im Herzen der 
Stadt, gegenüber dem stolzen Bau des Rathhauses, und der Dom- 
hof sammt dem Marktplatze geben in ihrer Verbindung einen 
Prospekt von grossartiger Wirkung. Langgestreckt, ähnlich wie- 
der wie Lübeck, zieht sich die alte Stadt am rechten Ufer der- 
Weser hin, während erst später das linke Ufer mit der neuen 
Stadt besetzt wurde. 
Die Renaissance tritt auch hier erst spät auf, aber sie treibt 
in dem grossartigen Bau des Rathhausesl) eine ihrer pracht- 
vollsten Blüthen (Fig. 208). Der Bau ist seinem Kerne nach eine 
Schöpfung des Mittelalters, 1405 bis 1410 errichtet: ein mächtiges 
Rechteck, an der südlichen Schmalseite durch das Portal und drei 
hohe Spitzbogenfenster belebt. An diesen einfachen gothischen 
Bau fügte man 1612i die prachtvolle Facade der Ostseite mit 
ihrer Bogenhalle, dem breit vorspringenden Erker- und Giebelball 
in der Mitte und den riesig hohen Fenstern des oberen Stock- 
werks. Auf zwölf dorischen Säulen ruht die in der ganzen Länge 
den Bau begleitende Halle, deren gothische Rippengewölbe in 
der Wand auf reichen Consolen aufsetzen. Im ersten Stock bildet 
sich über der Säulenhalle eine von durchbrochener Balustradß 
abgeschlossene Altane, in der Mitte durch den vorgebauten Erker 
unterbrochen, aber durch Thüren mit demselben verbunden. Die 
ehemaligen, ohne Zweifel spitzbogigen Fenster des Obergeschosses 
sind in sehr hohe rechtwinklige Fenster verwandelt und abwech- 
selnd mit gebogenen oder dreieckigen Giebeln gekrönt. Den Ab- 
schluss des Ganzen bildet ein elegant skulpirter Fries mit kraft- 
die MOIVIOgT. 
Vergl. 
zu Bremen. 
das Rathhaus 
von Müller,
        

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