Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317901
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III. Blieb. 
Renaissance in Deutschland. 
nur ist Alles hier überladener und von einem minder reinen Form- 
gefühl beherrscht, jedenfalls aber in staunenswerther Technik mit 
miniaturartigcr Feinheit durchgebildet. Dazu kommen über den 
Portalen grosse Reliefs aus der biblischen und römischen Ge- 
schichte, die mit einer Darstellung des jüngsten Gerichtes ab- 
schliessen. 
Noch wäre der ungemein grosse Fürstensaal zu nennen, an 
den Wänden mit Bildnissen von Fürsten und Fürstinnen im 
Charakter des 15. Jahrhunderts bemalt, auch an der Balkendecke 
Gemälde, Brustbilder in Medaillons und Ornamente aus der Spat- 
zeit der Renaissance. Fünf mittelalterliche Kronleuchter mit figür- 
lichem Schmuck und ein sechster in streng gothischem Stil er- 
leuchten den Saal. 
Zu den grössten Schätzen gehört sodann die Silberkammer 
des Rathhauses, eine vielleicht unvergleichliche Sammlung von 
Prachtgeräthen aus den verschiedenen Epochen der Gothik und 
der Renaissance. Für unsre Betrachtung sind von besonderer 
Bedeutung die herrlichen Pokale, welche die ganze Mannigfaltig- 
keit der Renaissance im Aufbau, den dekorativen Formen und 
dem figürlichen Schmuck verrathen. Der Münzpokal vom Jahre 
1536, der eine Elle hohe vergoldete Pokal von 1538, ein anderer  
von 1562, wieder ein anderer, über 2 Fuss hoch, von 1560, ein 
kleinerer von 1586 und ein ganz grosser von 1600 mögen hier 
als die wichtigsten kurz erwähnt werden. Zu den edelsten Wer- 
ken gehören aber die beiden silbe1'nen Schüsseln mit dem Stadt- 
wappen, in. der Mitte und am Rande mit Laubfriesen und kleinen 
Portraitmedaillons geschmückt, endlich die grosse Waschschüssel 
von 2 Fuss im Durchmesser, vom Jahre 1536. 
Einiges ist noch aus der J ohanniskirche nachzutragell- 
Vom Jahre 1537 das bemalte Epitaph eines Herrn v. Dassel, mit 
reichem krautartig behandeltem Pflanzenornament, das Ganze 
noch etwas unreif in den Formen und bezeichnend für das erste 
Auftreten der Renaissance in diesen Gegenden. Von elegant aus- 
gebildeter Renaissance sind die Chorstühle, deren Laubfriese mit 
den Reliefköpfchen an die Arbeiten im Rathhaus erinnern, wenn 
sie auch nicht von derselben Vollendung sind. Doch erscheint 
die Arbeit voll Geist; nur die Karyatiden und Atlanten zeigen den 
schlottrigen Stil der Epoche. Auch die Brüstung einer Empore 
ist in ähnlichem Schnitzwerk um dieselbe Zeit ausgeführt. 
Noch ist der Springbrunnen auf dem Markt vor dem 
Rathhaus, ein Metallbecken mit kleinen iigürlichen Darstellungen, 
hier zu nennen als ein Werk der Frührenaissance. Nur daS 
untere gusseiserne Becken gehört moderner Reparatuiz- Auf der
        

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