Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317854
Kap. XIV. 
Die norddeutschen 
Küstengebiete. 
751 
mit zwei kannelirten ionischen Säulen, deren unterer Theil reich 
dekorirt, dazu über dem Gebälk zwei liegende Figuren an N0. 819. 
Dagegen N0. 793 zierliche Metallornamente an den Flächen, fein 
kannelirte korinthische Pilaster, von Quaderbändern durchbrochen, 
als Einfassung. 
Ganz abweichend ist die grosse Facade in der Holstenstrasse 
N0. 276. Das Portal gehört zwar derselben Gattung an, wird 
durch kriegerische Atlanten eingefasst und von den Figuren des 
Glaubens und der Liebe bekrönt. Dabei der Spruch: Sperantem 
{I1 domino misericordia circumdabit. Dies Alles wie gewöhnlich 
m Sandstein. Die Facade selbst ist aber ein Prachtstück von 
Rellaissancedekoration in Terracotta, offenbar um einige Dezennien 
früher als das Portal, vielleicht das Werk des Gabriel v. Aken 
und Stalius v. Düren, die sich wie wir wissen in Lübeck nieder- 
gelassen hatten. Doppelte Lisenen, aus gerippten Rundstäben be- 
stehend, auf Maskenkonsolen ruhend, theilen den hohen Giebel, 
und ähnliche Rundstäbe fassen sämmtliche Fenster ein. Die ein- 
Fühlen Stockwerke aber werden bis oben hinauf von Medaillonfriesen 
n) Terracotten gegliedert, welche den Arbeiten in Wismar, Schwe- 
ml und Gadebusch verwandt sind. Leider hat ein späterer Zopf- 
Zusatz die ursprüngliche Reinheit getrübt; jedenfalls ist aber die 
Faßadc sehr interessant wegen der Anwendung eines durchgebil- 
detell Terracottenstils. Aehnliche Werke kommen noch ein paar 
Mal ill der Wahmstrasse vor. 
Von dem Reichthum der Ausstattung, welcher ehemals die 
Patrizierhäusei- auszeichnete, geben noch einzelne Ueberreste 
lzellgniss; am prachtvollsten der Saal im Hause der Kauf- 
lfute (Fredenhagedsches Zimmer), dessen Getäfel in Eichen-, 
Lmdelh, Nussbaum- und Ulmenholz zu den edelsten der Zeit 
gehört. Gekuppelte korinthische Halbsäulen mit reich geschnitzten 
sfihäften tragen ein Gebälk mit elegantem Rankenwerk am Ge- 
3,11386, und darüber eine Doppelstellung von Atlanten und Karya- 
tldell, die mit einem, zweiten nicht minder reich dekorirten 
qesimse abschliessen. Die Wandfelder zeigen unten eine Nach- 
bfldllllg kräftiger Steinarkaden und darin tabernakelartige Auf- 
sätze, darüber eingelassene Alabasterreliefs, sicherlich nieder- 
ländische Arbeiten, Alles auf's Reichste plastisch dekorirt. Den 
oberen Theil der Wände schmücken Gemälde in Goldrahmen. 
Dle Decke zeigt ein reich cassettirtes Balkenwerk, kraftvoll ge- 
ghedßrt und elegant geschnitzt. 1) 
Vergl. die Notiz von A. Meier im Dresdener Corr. 
1853, Dec. N0. 3.
        

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