Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317849
750 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Häuser erkennt man dieselben Grundzüge. Das Erdgeschoss 
bildet unten auch hier eine weite und hohe Halle, die ihr Licht 
aus mächtigen Fenstern vom Hofe her erhält und ihren Zugang 
von der Strasse in einem riesig hohen Portale besitzt. Ucber 
der Hausthür ist jetzt oft eine kleine Kammer angebracht, die 
aus dem mit dem Portal verbundenen Oberfenster ihr Licht er- 
hält. Eine kleine Comtoirstube ist stets vom Flur abgetrennt. 
Im Hintergründe führt eine oft reich geschnitzte Treppe zu einer 
Galerie, welche den Zugang zu den niedern Schlafkammern und 
den oberen Geschossen vermittelt. Die Facaden der Häuser 
zeigen fast ohne Ausnahme den schlichtesten Backsteinbau, neue1'- 
dings fast immer mit Oelfarbe überstrichen. Einfache Staifel- 
giebel, durch Lisenen und Mauerblenden gegliedert, bilden den 
Abschluss. Von der reichen Ausstattung mit den Formen der 
Renaissance bei überwiegender Anwendung von Sandstein, wie 
wir es in Danzig fanden,.ist hier nirgends die Rede. Den Erker 
hat man hier wie in Danzig und den andern niederdeutschen 
Seestädten vermieden. Nur indem man zahlreichen Häuserll 
prachtvolle Portale im beginnenden Barockstil versetzte, suchte 
man der allgemeinen Zeitrichtung Rechnung zu tragen. Karyatiden 
und Hermen, Statuen von Tugenden, Masken und Fruchtschnüre 
spielen dabei eine grosse Rolle. Ein Prachtstück dieser Art vom 
Jahre 1587 sieht man Schlüsselbuden No. 190, mit zwei gewal- 
tigen Hermen, darüber in einer Nische eine weibliche Figur, voll 
zwei liegenden Gestalten eingeschlossen, sämmtlich sehr lang- 
beinig und manierirt. Ein hübsches Portal ebenda No. 195, 
gleichfalls mit Figuren geschmückt und sämmtliche Flächen mit 
Metallornamenten dekorirt. Ein prächtiges Portal ebenda No. 195, 
mit Kriegerfiguren und allegorischen Darstellungen, auch hier 
das Figürliche unerträglich manierirt. Auf solchen Schmuck ver- 
zichtet das Portal an No. 194, erholt sich dagegen an reichen 
Fruchtgehängen und Masken. Mehreres von ähnlichem Charakter 
in der Fischstrasse. Eins der üppigsten schon stark überladenen 
und geschweiften an No. 85; ein ganz kleines, blos mit Rosetten 
und Köpfen dekorirt an No. 96; facettirte Quadern mit Stern- 
mustern an No. 104, wo ausnahmsweise auch der Hausgiebßl 
mit Voluten geziert ist. Die sehr langen Figuren findet man 
wieder an No. 106. Ueberaus reich mit Festons und Hermen iSt 
No. 107 dekorirt, wo auch die oberen Theile der Facade ähn- 
lichen Schmuck erhalten haben, und in der Mitte eine Abundantia 
in einer Nische aufgestellt ist. Einfacher in Anlage und Be- 
handlung No. 105. Mehreres auch in der Breitenstrasse. Phan- 
tastisch reich mit Masken geschmückt No. 785. Noch stattlicher
        

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