Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317829
748 
III. 
Buch. 
Renaissance in 
Deutschland. 
ehemals bis 1868 zum Theil als Arbeitsstellen für die Gold- 
schmiede benutzt, neuerdings zum grossen Vortheil für die Ge- 
sammtwirkung geöffnet und sorgfältig wieder hergestellt. Zwei 
gewölbte Durchgänge stellen die Verbindung mit der Breiten- 
strasse her. Der südliche Theil enthielt ehemals die Rathsivaage, 
und an ihn wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts nach der 
Strassenseite die prächtige Freitreppe gebaut, die ein Hauptstück 
der Renaissance ist. Im oberen Stock befand sich ehemals der 
Löwensaal, 90 Fuss lang und 24 Fuss breit, daneben ein Vorplatz 
und die sogenannte Kriegsstube, 36 Fuss breit und 48 Fuss lang. 
Der ganze Flügel aber erstreckt sich zu einer Länge von 150 Fuss!) 
Für unsere Betrachtung ist zunächst von Wichtigkeit der 
prächtige Vorbau, welcher 1570 der Südseite vorgelegt wurde 
(Fig. 206). Die zierlichen Hallen, auf zwölf Pfeilern mit kräf- 
tigen etwas gedrückten Bögen sich öffnend, werden nach oben 
durch drei Giebel abgeschlossen, von denen der mittlere als 
dominirender Theil höher emporragt. Die Composition ist vor- 
treiflich, die Gliederung reich und doch klar, aber das Figürliche 
zeugt von schwachen Händen, und das ganze Werk, so ansehn- 
lich es auch ist und so bestechend das schöne Sandsteinmaterial 
wirkt, gehört doch nicht zu den vorzüglichsten Schöpfungen der 
Zeit, ist z. B. dem Bremer Rathhaus keineswegs ebenbürtig. 
Vom Jahre 1594 datirt sodann die prächtige Freitreppe, welche 
an der Breitenstrasse auf vier Pfeilern angelegt ist, eine überaus 
malerischeConception, in kräftigen und reichen Formen durch- 
geführt, namentlich die einzelnen Quadern mit jenen Sternmustern 
geschmückt, welche in dieser Spätzeit allgemein beliebt waren. 
Weiter nordwärts aus derselben Epoche ein prächtiger Erker in 
ähnlichen Formen. Auch das Innere des Baues wurde damals 
reich geschmückt, besonders die Kriegsstube zeigt noch jetzt die 
prachtvolle Ausstattung jener Epoche. An dem Marmorkamin, der 
neuerdings barbarischer Weise mit dunkler Oelfarbe überschmiert 
warf) liest man die Jahr-zahl 1595. Zum Schönsten in dieser 
Art gehört die Wandvertäfelung, bei Welcher Schnitzwerk und 
eingelegte Arbeit zusammenwirken. Auch das Portal zum Raths- 
saale ist eine treifliche Schnitzarbeit. Sie datirt von 1573, hängt 
also mit dem Bau der südlichen Arkadenfront zusammen. 
Von den städtischen Bauten ist sodann noch das ehemalige 
Zeughaus beim Dom vom Jahre 1594 zu nennen. ES ist ein 
l 
  Werthvolle Notizen verdanke ich der Güte des 
dlrelftgrs Krieg.  2) Seit Kurzem durch die Sorgfalt 
gerelmgt. Treff lieh photogr. Aufnahme von Nöhring. 
Herrn Stadtbau- 
des Herrn Krieg
        

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