Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317815
Kap- 
XIV. 
Die norddeutschen Küstengebiete. 
747 
entkommen, wodurch er den Mönchen die Freude macht aus- 
Sprengen zu können, der Teufel habe ihn geholt. Ein blinder 
Bettler wird aus der Stadt gewiesen, weil er auf der Strasse ein 
lutherisehes Lied gesungen; ein Buchbinder, der des Reformators 
Schriften verkauft, wird in den Thurm geworfen; ja noch 1528 
werden Luthers Bücher durch den Büttel auf offenem Markte ver- 
hrannt. In der Bürgerschaft war aber der Drang zum Evange- 
lium so stark geworden, dass einst beim Gottesdienst in der 
Jacobikirche, während der katholische Priester predigte, zwei 
Knaben den Choral Luthers "Ach Gott vom Himmel sieh darein" 
anstimmten, die ganze Gemeinde mit einfiel und den Prediger 
Zwang, die Kanzel zu verlassen. Erst als der Rath von der 
Bürgerschaft eine ausserordentliche Steuer verlangte, erzwang 
diese durch ihre standhafte Opposition, dass die evangelische 
Lehre endlich frei gegeben und bald darauf die Reformation 
Völlig durchgeführt wurde. Aber die Starrheit der Aristokratie 
ist damit nicht bezwungen. Der kühne Versuch Wullenwebers 
elne Volksherrschaft aufzurichten und Lübeck's Macht noch ein- 
mal auf's Höchste zu steigern, misslingt, und fortan ist wohl 
Ilßeh eine Zeit lang von materiellem Gedeihen, aber nicht mehr 
VQII politischer Machtstellung zu reden. In jenen Kämpfen haben 
Wir wohl den Grund zu suchen, warum noch 1518 die Marien- 
kirche in einem durch die Gegensätze geschärften Eifer mit 
reichster Ausstattung in gothischen Formen geschmückt wurde. 
Zugleich aber hängt damit zusammen, dass die Renaissance hier 
elSt spät auftritt und keine hervorragende Rolle spielt. Doch 
51m1 einige prächtige Werke aus ihrer spätern Entwicklung 
erhalten. 
Der wichtigste Bau ist das Rathhaus. Der älteste Theil 
desselben ist das grosse Rechteck, 150 Fuss breit und 120 Fuss 
tief, welches den Markt an der Nordseite begränzt und mit Seiner 
Südseite an den Marienkirchhof stösst. Hier ist der Rathskeller 
mit seinen gewaltigenGewölben; der Bau selbst aber wird. durch 
drei colossale Satteldächer bedeckt, die mit ihren riesenhohen 
Baßksteingiebeln über alle spätere Bauten hinausragen. Vor diese 
Faßade, die nach Süden schaut, wurde seit 1570 die Renaissance- 
hanß gesetzt, von der wir noch zu sprechen haben. In dem 
gegen die Breitestrasse liegenden östlichen Theil dieses Baues 
befand sich ehemals der grosse Hansasaal, die ganze Tiefe des 
Baues von 120 Fuss bei einer Breite von 30 Fuss einnehmend. 
A11 diesen Hauptbau wurde noch im Mittelalter ein die Ostseite 
iles Marktes abschliessender Flügel gesetzt, im Erdgeschoss eine 
anägestreckte zweisehifiige Halle auf Granitpfeilern bildend,
        

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