Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317801
746 
III. 
Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
leichter westlicher Abweichung bis nach dem Südende, wo sie 
an dem Dom und der dazu gehörigen Baugruppe ihren Abschluss 
finden. Zahlreiche Querstrassen schneiden sich mit diesen Haupt- 
adern im rechten Winkel, sämmtlich von kurzer Entwicklung, da 
die grösste Breite der Stadt ungefähr die Hälfte ihrer Längen- 
ausdehnung beträgt. Das gewaltige, noch wohlerhaltene Holsten- 
thor mit seinen beiden Thürmen bezeichnet hier die Hauptstrasse, 
welche nach Westen auf das angrenzende holsteinische Gebiet 
und gegen Hamburg führt. Wo diese Strasse sich mit der grossen 
Längenpulsader der Breitenstrasse schneidet, breitet sich das weite 
Rechteck des Marktes aus, auf zwei Seiten, der nördlichen und 
der östlichen von den ausgedehnten Gebäuden des Rathhauses 
eingefasst. Hier ist das Herz der Stadt, hier erhebt sich auch 
die Hauptkirche zu St. Marien, die mit ihren dunklen Backstein- 
massen und den beiden riesigen Thurrnhelmen hoch über die 
mittelalterlichen Giebel des Rathhauses emporragt. An der andern 
Seite des Marktes erhebt sich die Petrikirche, etwas weiter öst- 
lich St. Aegidien und im nördlichen Theile der Stadt die wiederum 
sehr ansehnliche Jacobikirche, dabei das Spital zum Heiligen 
Geist. Damit sind die Hauptpunkte in der Plananlage der Stadt 
gezeichnet. Ein grossartiger Zug voll Freiheit und Klarheit spricht 
sich in ihr aus. 
Das Gepräge der wichtigsten Denkmäler gehört überwiegend 
dem Mittelalter und verräth unverkennbar, dass das 13. und 14. 
Jahrhundert den Höhepunkt in der Machtentwicklung Lübeck's 
bezeichnen. Schon das 15. Jahrhundert steht darin zurück; man 
spürt ein Nachlassen in der monumentalen Entwicklung oder 
vielmehr ein Umwenden vom kirchlichen zum Profanbau; denn 
das Holstenthor und das Burgthor, sowie ausgedehnte Theile des 
Rathhauses gehören dieser Zeit an. Mit dem Anfang des 16. 
Jahrhunderts finden wir Lübeck von einem engherzigen Patriziat 
beherrschtf) welches der Strömung der Zeit sich feindlich ent- 
gegenstellt. Die Reformation, die in der Bürgerschaft allgemein 
Anklang gefunden, wird vom Rathe mit eiserner Hand unterdrückt. 
Bürger, welche nach Oldesloe gehen, um den dort eingesetzten 
evangelischen Prediger zu hören, werden mit Landesverweisung, 
Gefängniss oder Geldbusse gestraft. Der Prediger Johann Ossen- 
brügge, der heimlich in die Stadt gekommen war, um in einem 
Privathause lutherischen Gottesdienst zu halten, wird in's Gefäng- 
niss geworfen, und als er endlich auf Andringen der Bürger- 
schaft befreit wird, muss er froh sein, zu Schiffe nach Reval zu 
Gesch. 
R. Becker, 
Vergl. J. 
der freyen Stadt Lübeck II,
        

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