Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317790
Theil sein wird. Er zeigt nämlich im Erdgeschoss und dem 
ersten Stock Arkaden auf weit gestellten Säulen, im zweiten da- 
gegen eine Galerie mit doppelter Anzahl Vvon Säulen, welche 
das Daehgesims aufnehmen. Dies ist genau die am Südiiügel 
Zu Güstrow vorkommende Form. Die andern Theile des Baues 
mit ihren schweren massiven Pfeilerhallen im Erdgeschoss und 
im ersten Stock gehören wohl dem 17. Jahrhundert an. 
Lübeck. 
Im Gegensatz zu den meklenburgischen Landen, wo die 
ganze Bauthatigkeit auf den Fürsten beruhte, zeigt uns der alte 
mächtige Vorort der Hansa, Lübeck, die Kunst eines bürger- 
lichen Gemeinwesens. Aber man erkennt bald, schon beim Heran- 
Ilahen an die vielthiirmige Stadt, mehr noch beim Durchwandern 
ihrer Strassen, dass ihre grössten Tage doch in die Zeiten des 
Mittelalters fallen. So grossartige Denkmale wie die Marienkirche 
und der Dom mit ihren gewaltigen Thurmpaaren, wie die übrigen 
noch zahlreich erhaltenen gothischen Kirchen hat keine Stadt 
des Norddeutschen Küstenlandes, mit alleiniger Ausnahme von 
Danzig, aus jener Epoche noch aufzuweisen. Dazu kommt, dass 
Lübecks Kirchen einen höheren Grad von künstlerischer Durch- 
bildung zeigen als die Danziger, und dass sie mit einem noch 
reicheren Schmuck von kirchlichen Denkmälern aller Art ausge- 
stattet sind. Wer von Weitem herannahend, die Stadt, umgeben 
Von Wiesengründen, Laubgruppen und Wasserspiegeln, mit ihren 
sieben gewaltigen Kirchthürmen und zahlreichen kleineren Spitzen 
Sieht, der ahnt etwas von der ehemaligen Macht jenes Frei- 
Staates, der an der Spitze der Hansa mit seinen Flotten die 
Ostsee beherrschte, Dänemark bezwang und in den nordischen 
Angelegenheiten den Ausschlag gab. Die Anlage der Stadt, 
Wenige Meilen von der Ostsee, an der selbst für Seeschiife zu- 
gänglichen Trave bot die günstigsten Verhältnisse. Der Platz 
ist mit besonderer Umsicht gewählt, denn er hat die Gestalt 
einer Halbinsel, die nurnach Norden durch eine schmale Zunge 
mit dem Lande zusammenhängt, östlich von der Wakenitz, west- 
lichvon der Trave umschlossen, auf einem hügclartig ansteigen- 
den Terrain, das seine Vertheidigung durch das Wasser erhielt. 
An dem einzigen zugänglichen Punkte, der Nordspitze dieses 
ovalen Stadtplanes, schloss eine feste Burg und das noch vor- 
handene Burgthor die Stadt ab. Von dort ziehen die Hauptstrassen 
in zwei parallelen Züg-en, der Breiten- und der Königstrasse, in
        

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