Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317780
744 
III. 
Buch. 
Renaissance in 
Deutschland. 
Hauptportal hinabführt. Die Treppe zum oberen Geschoss hat 
hübsche Kreuzgewölbe mit elegant profilirten Rippen. Sie mündet 
oben auf einen grossen Vorplatz, von wo zwei zierliche mit 
Terracotten dekorirte Portale in die Gemächer führen. Grosse 
gebrannte Platten mit Delphinen und anderen Thieren bilden die 
Pilaster, welche auf frei behandelten Kapitalen einen Ranken- 
fries mit tanzenden Putten tragen. Im Erdgeschoss hat die Küche 
ein reiches Portal mit Medaillonköpfen. In den Gemächern neben 
der Küche sieht man schön profilirte Unterzugsbalken, welche 
auf abgefasten Ständern die Decke tragen. Auch ein schlichter 
alter Kachelofen mit schwarzer Glasur, auf eisernem Unterbau 
ruhend, ist noch vorhanden. 
Noch verdient das Rathhaus als kräftig barocker Bau von 
1618 mit einer Loggia auf Pfeilern und mit Rusticafenstern Er- 
wahnung. Er ist ein weiterer Beweis, wie bald hier überall der 
Terracottenstil verlassen wurde. 
.Welchen Charakter die Schlossbauten zu Dargun haben, 
vermag ich aus eigener Anschauung nicht zu sagen. Mit Be- 
nutzung v0n- Theilen des ehemaligen Cistercienserklosters1) wurde 
durch Herzog Ulrich, den Erbauer des Güstrower Schlosses, schon 
seit 1560 hier ein fürstliches Jagdschloss aufgeführt, und 1590 
war das "lange Haus" vollständig eingerichtet. Die Jahrzahl 
1586 liest man an einem der Gebäude, aber das Ganze wurde, 
wie es scheint, erst im 17. Jahrhundert vollendet. Es bildet ein 
grosses Viereck mit einem Hofe von circa 130 Fuss im Quadrat, 
der im Hauptgeschoss von Galerieen umzogen ist. Der ansehn- 
liche Bau lehnt sich mit seinem östlichen Flügel an das nördliche 
Querschiff der Kirche und drängt sich mit dem südlichen und 
dem Ende des westlichen Flügels in das ehemalige Langhaus 
derselben hinein." ßDer Haupteingang liegt in der Mitte des öst-' 
liehen, ein anderer in der des westlichen Flügels. Drei grosse 
runde Thürme flankiren das Schloss auf den freiliegenden Ecken; 
nur wo das Querschilf der Kirche anstösst, hat man auf den 
Thurm verzichtet und sich mit einem Treppeuthürmchen begnügt. 
Der Hauptaufgang zu den oberen Gemächern befindet sich aber 
als Wendeltreppe in einem Treppenthurm, der die nordöstliche 
Ecke des Hofes einnimmt. Ueber die künstlerische Ausstattung 
des Baues weiss ich nicht zu berichten; doch lässt sich "so 
viel aus den mir vorliegenden Zeichnungen 2) vermuthen, dass 
der östliche Flügel der älteste noch von Herzog Ulrich erbaute 
 Das Geschichtliche bei Lisch, Jahrb. III, 169 ü".  1') Die Zeich- 
nungen verdanke ich gütiger Liittheilung des Herrn Hofbaurath Demmler.
        

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