Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317766
742 
Buch. 
III. 
Deutschland. 
Renaissance in 
Gliederung anzuwenden. Die Rippen sind z. B. als Blattkränze 
charakterisirt, durchweg aber ist bei allem Reichthum das edelste 
Maasshalten zu erkennen und dabei ein musterhafter Takt in der 
Abstufung vom Einfachsten zum Prachtvollsten. Besonders schön 
sind die Decken-der Erker ausgeführt, aber auch das südwest- 
liche Eekgemach im Erdgeschoss ist überaus prächtig. Selbst 
in den Hallen und Bogengängen und der Einfahrt ist Alles in 
ähnlicher, wenn auch schliehterer Weise mit Stuck dekorirt. Man 
kann nicht genug beklagen, dass solche Schätze bis jetzt in 
Deutschland so gut wie unbekannt waren, während sie in vollem 
Maasse eine sorgfältige Aufnahme verdienten. 
Das Güstrower Schloss steht in seiner Anlage und Aus- 
schmückung unter den meklenburgischen Bauten jener Zeit ver- 
einzelt da, Zeuge eines fremden Einflusses, der auf die Persön- 
lichkeit seines Baumeisters zurückzuführen ist. Weitere Spuren 
fremder Kunstrichtung finden wir im Dom zu Güstrow in den 
Prachtgräbern der meklenburgischen Fürsten, welche die Nord- 
wand des Chores einnehmen. Sie wurden-im Auftrage des Her- 
zogs Ulrich durch einen niederländischen Meister Philipp Brandm 
von Utrecht von 1576 bis 1586 ausgeführt. Derselbe Meister 
hatte schon früher zugleich mit einem anderen Steinhauer Conrad 
Floris, offenbar ebenfalls einem Niederländer, mehreres für Her- 
zog Johann Albrecht in Schwerin gearbeitet. Es handelt sich in 
Güstrow zunächst um ein prachtvolles marmornes Epitaphium 
des Herzogs Ulrich und seiner Gemahlinnen Elisabeth und Anna. 
Die Gestalten, aus Weissem Marmor gearbeitet, knieen hinter- 
einander an reichen Betpulten, in vergoldeten Prachtkostümen, 
in einer gewissen Steifheit der Haltung, doch nicht ohne Lebens- 
frische aufgefasst. Wahrheit und Glaube als Karyatiden bilden 
die architektonische Einfassung und tragen das phantastisch ge- 
krönte Gesimse, an welchem weitere Figuren von Tugenden an- 
gebracht sind. Dazu prächtige Wappen und ein ganzer Stamm- 
baum, dies Alles auf schwarzem Marmorgrund mit zahlreichen 
goldnen Inschriften und Emblemen. Am Fries obendrein Reliefs, 
das Ganze von höchster Opulenz. Von derselben Hand ist offen- 
bar das kleinere Epitaph der Herzogin Sophia (T 1575). Sie 
liegt betend auf einem Sarkophag, toskanische Säulen bilden die 
Einfassung und tragen ein barockes Gesimse, in dessen Krönung 
Christus als Salvator erscheint. Daneben reiht" sich östlich das 
dritte grosse Werk an, mit 1'574 bezeichnet, ein riesiger Stamm- 
baum der meklenburgischen Fürsten, freilich nur aus Sandstein, 
aber reich vergoldet. Prachtvolle korinthische Säulen fassen das 
Ganze ein und tragen das Gebälk. Auch diese bedeutende
        

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