Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317711
Kap 
XIV. 
norddeutschen Küstengebiete. 
Die 
737 
von Venedig entbot der Herzog zu sich, um von ihm Rath und 
Pläne zu erhalten. Bei diesen Italienern handelte es sich um die 
Befestigungen zu Dömitz und Schwerin, denn die Italiener stan- 
flen damals, wie bald darauf die Niederländer im Festungsbau 
111 hohem Ansehn. Von der ehemaligen Pracht der Ausstattung 
des Schlosses gaben zuletzt nur noch die zahlreichen Terracotten, 
welche man zur Ausstattung der gegen den Garten gelegenen 
Srossartigen Grotte verwendet hat, Zeugniss. Es sind meisten- 
theilß männliche und weibliche Portraits fürstlicher Persönlich- 
keiten, wozu jedoch noch Medaillons mit antiken Bildnissen kom- 
men, die in Wismar-fehlen. Auch Löwen, Doppeladler und 
andere Thiere, trefflich stilisirt und gleich den Medaillons in 
Lorbeerkränze gefasst, sind eingestreut. 
_ Das dritte dieser grossartigen Schlösser, das zu Güstroiv, 
1st, obwohl jetzt zur Strafanstalt degradirt, im Wesentlichen noch 
Wohl erhalten. Es wurde nach einem Brande 1558 von Herzog 
Ulrich durchden Baumeister Franciscus Parr neu aufgeführt und 
bis 1565 vollendet. Der nördliche Flügel brannte 1586 ab, worauf 
bis zum Jahre 1594 eine durchgreifende Wiederherstellung erfolgte. 
Am südlichen Ende der sauberen, freundlichen Stadt erhebt sich 
mit imposanten Massen, auf den Ecken und in der Mitte durch 
hohe Pavillons mit iiankirenden Thürmen malerisch gruppirt, der 
sehr ansehnliche Bau (Fig. 202). Die Architektur desselben, voll- 
Ständig in Stuck durchgeführt mit Nachahmung mannigfaltigen 
Quaderwerks, weicht von dem Terracottastil der meisten übrigen 
meklenburgischen Schlösser in auffallender Weise ab, und er- 
innert durch ihre Formen und besonders durch die Pavillons mit 
ihren steilen Dächern und die zahlreichen Schornsteine an fran- 
zösische Renaissance, während der deutschen Sitte wieder durch 
hohe, kräftig gegliederte Giebel Rechnung getragen wird. Man 
nähert sich dem Sehlosse von der Westseite, wo der tiefe Graben 
überbrückt ist und durch einen späteren von Herzog Gustav Adolf 
ausgeführten Vorbau beherrscht wird. Der grosse Thorweg liegt 
nicht in der Mitte, sondern etwas seitwärts geschoben im west- 
lichen Hauptliügel, der sich in einer Länge von 192 Fuss bei 
S0 Fuss Höhe erstreckt. Er enthält auf jeder Seite des Thor- 
Wßges (vergl. Fig. 204) zwei grosse beinahe quadratische Zimmer 
von 25 Fuss Tiefe, zu welchen an der längeren Südseite noch 
ein Ecksaal von 30 zu 34 Fuss hinzukommt. Beide Eckräume 
erhalten eine Erweiterung durch polygone Erkerthürme, deren 
Fenster köstliche Ausblicke auf die umgebende liebliche Land- 
schaft mit ihren saftigen Wiesengründen, Baumgruppen und 
klaren Seespiegeln gewähren. Vom Hauptbau zieht sich ein süd- 
Kugler, Gesell. d. Baukunst. V. 47
        

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