Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317685
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III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
antike Begebenheit darstellend. Derselbe Reichthum von Deko- 
ration schmückt auch die zahlreichen Portale, von denen die 
kleineren im Hofe mit ihren halbkreisförmigen Abschlüssen, den 
eleganten Laubornamenten, den feinen Kapitalen und den in den 
Zwickeln und Friesen angebrachten Portraitmedaillons wahre 
Meisterwerke der Dekoration sind. Dagegen erkennt man in den 
zahlreichen Hermen und Karyatiden_dcr Fenster und der beiden 
Hauptportale eine Weit gröbere Hand und eine starke Hinneigung 
zum Barocken. Trotzdem gehört der Bau, eben wegen dieser 
durchgebildeten Thonplastik, zu den merkwürdigsten Denkmalen 
unserer Renaissance, und es ist für uns von hohem Werth zu 
erfahren, dass seit der zweiten Hälfte des Jahres 1552 der Stein- 
brenner Statius von Bären diese Ornamente aus "gebranntem Thon 
gefertigt hat. Noch 1557 stand er in herzoglichen Diensten und 
lieferte auch für Herzog Ulrich verschiedene thönerne Werkstücke, 
wobei ihm für ein „grotes Stück Biltwerk" fünf, für ein kleines 
zwei Schillinge bezahlt wurden. Später liess er sich in Lübeck 
nieder, wo wir ähnliche Arbeiten ünden werden. Neben ihm 
war zu Schwerin noch ein alter Ziegelbrenner thatig, zu Dömitz 
aber wurden holländische Ziegelbrenner beschäftigt. Statius Her- 
kunft von Düren weist nun freilich auch auf die an Holland 
grenzende Gegend des Niederrheins, und es läge also die Ver- 
suchung nahe diesen Stil von dort herzuleiten. Allein da wir 
in jenen Gegenden nichts Derartiges kennen, so haben wir wohl 
diese anderwärts in Deutschland und überhaupt im Norden nirgends 
vorkommende Ausbildung des Terracottastils unsrer Epoche als 
eine ausgezeichnete Eigenschaft der Meklenburgischen Gebiete 
zu betrachten. Dass die Kenntniss der oberitalienischen Backstein- 
bauten dabei den ersten Anstoss gegeben habe, dürfen wir wohl 
vermuthen. 
Von der alten Einrichtung ist nichts mehr erhalten. Links 
von dem gewölbten Eingange, der als Durchfahrt zum Hof diente, 
war die Hofstube, rechts die Wohnung des Pförtners und anderer 
Diener. Im ersten Stock war der grosse Tanzsaal, der die ganze 
Länge des Flügels umfasste; im dritten Stock, der eine anmuthige 
Aussicht gewahrt, befand sich der Speisesaal, daneben der Her- 
zogin Gemach, und die Rathsstube. Den Zugang zu den oberen 
Stockwerken vermittelte die am östlichen Ende in einem vier- 
eckigen Treppenhaus angebaute Wendelstiege. Das Dach hatte 
ursprünglich Giebelerker mit Gemachern, die aber 1574 abge- 
tragen wurden, weil von ihrer Last das Gebäude gesunken War- 
Die Deckenverzierungen für die Säle des Fürstenhofes sowie des 
Schlosses zu Schwerin malte 1554 Meister Jakob Strauss zu Berlin.
        

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