Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317638
K81) 
XIV. 
Die norddeutschen Küstengebiete. 
729 
Zu Rostock, wies das Vermögen der aufgehobenen Klöster milden 
Stiftungen und vor Allem den neu begründeten Schulen zu, 
sondern schuf in Rechtspflege, Verwaltung und Polizei, im Münz-- 
Wesen, in Einrichtungen für Handel und Verkehr die Grundzüge 
eines neuen auf die allgemeine Wohlfahrt abzielenden Staats- 
lebens. Nach dem Tode des treffiichen Fürsten trat Herzog Ul- 
rich als Gebieter des gesammten Landes mit Kraft und Ernst in 
die Fusstapfen seines Bruders und brachte das von diesem An- 
gebahnte zur vollen Durchführung. Diesen beiden Fürsten ver- 
dankt Meklenburg nun eine thätige Aufnahme der Renaissance, 
die sich noch jetzt in glänzenden Zeugnissen erhalten hat. 
Das Hauptwerk im Lande ist der Fürstenhof zu Wismar. 
Die Geschichte dieser Residenz der Meklenburgischen Fürsten 
Wirft grelle Schlaglichter auf das Verhalten der mittelalterlichen 
Städte, auf ihren Trotz und ihren stolzen Unabhängigkeitssinn 1). 
Seit 1256 hatten die Herzöge von Meklenburg in der Stadt eine 
von Johann I erbaute Burg, die jedoch, als die übermüthigen 
Bürger 1276 ihre Stadt mit einer Mauer umzogen, aus dem 
städtischen Mauerring ausgeschlossen wurde. Nach einem Brande 
des Jahres 1283 wurde die Burg zwar wiederhergestellt, aber 
schon 1300 sah sich der alternde Fürst Heinrich der Pilger ver- 
anlasst, um den Hauptgrund der fortwährenden Zwistigkeiten mit 
den Bürgern zu beseitigen, die Burg abzubrechen und in der 
Stadt auf einem ihm dafür eingeräumten Platze einen Hof zu 
errichten. Dieser wurde 1310 in einer neuen Fehde mit der 
Stadt zerstört, allein Heinrich II, der Löwe, des Pilgers Sohn, 
setzte gegen den Willen der hartnäckig widerstrebenden Bürger- 
schaft den Bau einer befestigten Burg innerhalb der Ringmauern 
an anderer Stelle durch. Gleich nach dem Tode des kräftigen 
Fürsten wussten jedoch die Bürger es dahin zu bringen, dass die 
Vormünder seines noch minderjährigen Nachfolgers ihnen die 
Burg sammt ihren Festungswerken verkauften, wogegen indess 
den Her-zogen gestattetwurde, einen anderen Hof in der Nähe 
der Gcorgenkirche ferner zu bewohnen. Dies ist der noch jetzt 
vorhandene Fürstenhof. Von den um 1430 darin aufgeführten 
Gebäuden ist schwerlich noch etwas erhalten, es sei denn dass 
in dem schräg hinter den Hauptgebäuden sich hinziehenden Stall 
noch ein Rest der alten Anlage stecke. Der Hauptbau besteht 
aus zwei Flügeln, welche rechtwinklig zusammenstossen und mit 
dem Stall einen dreieckigen Hof umschliessen. Der von Süd 
L 
1) Vergl. 
S. 5 ff. 
dessen Jahrbuch 
Lisch in 
verdienstliche Arbeit von Dr. 
die
        

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