Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317550
Kap. XIV. 
Küstengebiete. 
norddeutschen 
Die 
721 
Epoche, wo die junge Rechtstadt in mächtigem Emporblühen des 
Handels und Wohlstandes ihrem höchsten Glanze entgegen 'ging. 
Charakteristisch ist nun an diesem Bau, dass er ganz aus Quadern 
aufgeführt ist, da doch sämmtliche Kirchen und Privathauser der 
mittelalterlichen Epoche Backsteinbauten sind. Späterhin scheint 
sogar der gebrannte Stein fast das ausschliessliche Material für 
kirchliche Bauten zu werden, während an den Bürgerhausern und 
den stattlichen Profangebäuden der Renaissancezeit man sich über- 
wiegend dem Hausteine zuwandte, oder aus ihm Wenigstens die 
wichtigsten architektonischen Theile, Gesimse, Einfassungen und 
Ornamente bildete. Das Rathhaus hat durch die altergeschwärzten 
Quadern, durch das trotzige Vor-springen in die Strassenlinie, 
durch den horizontalen Abschluss der compacten Massen etwas 
Imponirendes, einen Ausdruck von Macht und Herrschaft erhalten. 
Grosse viereckige Fenster, durch steinerne Stäbe getheilt, durch- 
brechen die Flächen. Auch der Thurm ist in seinen unteren 
Theilen noch gothisch, 1465 aufgeführt, nur die schlanke zier- 
liche Spitze datirt von einer Restauration aus den Jahren 
1559-1561. Diese Spitze ist die feinste Blüthe jener üppigen, 
schnörkelhaften schon in's Barocke auslaufenden Spatrenaissance, 
ein Wunder in ihrer Art. Der Barockstil scheint hier einen Wett- 
ka.mpf mit der luftig aufstrebenden Gothik versucht zu haben, so 
leicht, elegant und zierlich in der Verjüngung; so mannichfaltig und 
reich in ihrem Umriss steigt diese Spitze in die Luft. Aller- 
dings von dem strengen geometrischen Formalismus, dem orga- 
nischen Aufwachsen einer gothischen Thurmpyramide ist nicht 
die Rede; aber um so bemerkenswerther, ja in malerischer Hin- 
sicht den gothischen Thürmen wohl noch überlegen, ist dies 
krause Spiel von rundlichen Formen, die eigentlich dem Princip 
des luftigen Aufstrebens fremd, doch auf's Schönste zu ver- 
wandter Wirkung benutzt sind. Die ganze Spitze ist vergoldet 
und mit einer ebenfalls vergoldeten geharnischten Figur bekrönt, 
S0 dass im hellen Sonnenschein der Eindruck noch glänzender, 
ätherischer wird. - 
Auf einer prächtigen, bequemen, aus Eichenholz geschnitzten 
Wendeltreppe 1) gelangt man im Innern zum Hauptgeschoss und 
zunächst in die Sommerrathsstube, die in reichster Pracht der 
Renaissancezeit mit ihrer brillant vergoldeten und gemalten Decke, 
V0I1 welcher durchbrochene, äusserst reich und zierlich gearbeitete 
Zapfen niederhängen, ein Bild stolzen, üppigen Wohlstandes istß). 
 Abbild. bei Schultz Nr. 
Kl1818r, Gesch. d. Baukunst. V. 
2) Vergl- 
Schultz
        

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