Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317507
716 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
nicht so streng in die Ringmauern seiner Stadt geschlossen, wie 
der des fünfzehnten und sechszehnten es war. Er kann um so 
leichter daher die Beischläge entbehren, zumal da heutzutage an 
die Stelle des öffentlich gemeinsamen Lebens, welches ehedem 
die Bürger einer Stadt so zu sagen zu einer einzigen Familie 
verband, ein zurückgezogenes Wesen getreten ist. 
Was an Danzig vorzugsweise fesselt, sind nicht sowohl die 
kirchlichen Denkmäler, obschon auch deren einige beachtens- 
werthe sich linden, sondern die bauliche Gesammtanlage der Stadt, 
und die Art, wie städtische Macht und bürgerlicher Reichthum 
sich hier architektonisch verkörpert haben. Leicht erkennt man 
aus dem Complex verschiedener jüngerer Zusätze die Bestand- 
theile der eigentlichen alten Stadt heraus. Sie schliesst sich an 
die Mottlau, welche die natürliche Grenze nach Osten bildete, 
während nördlich die in jene sich ergiessende Radaune den Ab- 
schluss gab. Hier liegt die Altstadt, hier die alte Rechtstadt mit 
ihrem Rathhause, dem Artushof und den meisten Kirchen. Noch 
ist die alte Stadtmauer mit zahlreichen malerischen mittelalter- 
liehen Thoren an der Mottlau entlang erhalten, eine Stadt in der 
Stadt umzirkend. Denn zunächst schliesst sich die durch einen 
anderen Arm des Flusses begränzte Speicherinsel an, die mit 
ihren langen Reihen hoher backsteinerner Speicher einen nicht 
minder eigenthümlichen Charakter bildet. Dann erst folgen die 
neuen, für uns uninteressanten Stadttheile, Langgarten und 
Niederstadt. 
In den älteren Stadttheilen laufen alle Hauptstrassen so 
ziemlich von Osten nach Westen bis zum Fluss hinab. Unter 
ihnen dominirt durch stattliche breite Anlage und hervorragende 
Bauwerke die Lange Gasse, die sich am Rathhause plötzlich 
zum Langen Markt erweitert. Sie beginnt landwärts "mit dem 
Hohen Thor und öffnet sich gegen das Wasser mit dem Grünen 
Thor. Der Blick von letzterem gegen das Rathhaus hin, das mit 
seinen gewaltigen Mauermassen wie eine trotzige Wehr vor- 
springt und den Markt abschliesst, gehört zu den schönsten 
städtischen Architekturprospekten die ich kenne. Die hohen, 
reich verzierten Giebelhauser, die bei den sanft geschlängelten 
Windungen der Strasse dem Auge das Bild mannichfacher Ver- 
schiebungen darbieten, vollenden das wirksam Charakteristische 
der Strassenphysiognomie. Merkwürdig ist, dass manche Haupt- 
strassen noch eine parallel mit ihnen laufende Hintergasse haben, 
welche den Wagen zum Anfahren diente. Diese Einrichtung 
wurde durch die ganze Anlage der Häuser herbeigeführt. Da 
nämlich die ganze Vorderseite des Hauses durch den Beischlag
        

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