Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317332
XIII. 
KaP- 
Die nordöstlichen 
Binnenländer. 
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laster mit hübschen Ornamentbändern, Blumen und dergleichen, 
bezeichnet 1534. Dagegen gehört der ebendort befindliche Erker 
auf zwei kolossalen, kurzen achteckigen Pfeilern mit seltsam ge- 
bildetem ionischem Kapital einer derberen Behandlungsweise an, 
die sich auch in dem übertrieben kräftigen Eierstab zu erkennen 
giebt. Kannelirte korinthisirende Pilaster säumen die Ecken, 
kleinere ionische Pilasterstellungen rahmen die Fenster ein. Man 
liest die Jahrzahl 1564. Im Innern hat der Erker ein spät- 
gothisches Rippengewölbe. Hier sass ehemals das Blutgericht 
und verkündete dem Verurtheilten, der rechts die enge Treppe 
hinabgeführt wurde, seinen Spruch, der dann im Hofe selbst voll- 
streckt wurde. Es ist ein unheimliches Lokal, durch die ver- 
gitterten Kerkerfenster ringsum noch düsterer. Derselben Zeit 
gehören noch andere Theile der inneren Ausstattung: zunächst 
in einem Zimmer eine herrliche Holzdecke von 1568, von der 
schönsten Theilung und Gliederung, das Schnitzwerk von ge- 
ringerem Werth, aber die eingelegten Ornamente köstlich. Dies 
Prachtstück wurde erst 1872 bei der durch Baurath Marx ge- 
leiteten Restauration wieder entdeckt. Von 1566 datirt sodann 
der Magistratssaal, ebenfalls mit trefflicher, obwohl einfacherer 
Holzdecke, reicher Thür- und Wandbekleidung. Die zweite Thür 
hat eine steinerne Einfassung aus spätgothischer Zeit, mit einem 
Christuskopf und kleinen Engeln. Erwähnen wir noch ein kleines 
Steinportal im Innern, das im Charakter des äusseren Haupt- 
poitals, aber einfacher durchgefiirt ist, so haben wir das Wesent- 
lichste berührt. 
Aber viel früher noch als am Rathhause tritt die Renaissance 
hier an Privatbauten auf. Das erste Beispiel bietet das Haus 
Brüderstrasse N0. 8, welches mit einer vorspringenden Ecke sich 
gegen den Untermarkt fortsetzt. Wie mit Nachdruck hat der 
Meister, als wäre er sich der Bedeutung dieses frühen Datums be- 
Wusst, zweimal daran die Jahrzahl 1526 angebracht. Die ganz oben 
hinzugefügte Zahl 1617 kann sich nur auf einzelne spätere Zu- 
Sätze im Obergeschoss beziehen. Dieses Haus sowie die ganze 
damit zusammenhängende Gruppe, welche den Markt und die 
anstossenden Strassen umzieht, verdankt ihre Entstehung einem 
verheerenden Brande, welcher 1525 diese Stadttheile einäscherte. 
Auffallend ist und bleibt aber, dass dabei so früh und in solchem 
Umfange die Renaissanceformen zur Verwendung kommen. Denn 
allem Anscheine nach tritt an der Facade dieses Hauses zum 
ersten Male die Behandlung ein, welche dann an einer gresgen 
Anzahl anderer Häuser im Wesentlichen gleichlautend wiederholt 
wurde. Die in Höhe und Breite unregelmässigen Fenster, zu
        

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