Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317223
688 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
best componirten Faeaden dieser Epoche, durch die imposante 
Vorhalle auf Rnstikapfeilern, die gruppirten Fenster, das mächtige 
Kranzgesimse, vor Allem aber den grossartig aufgebauten Giebel 
prachtvoll wirkend. Bemerkenswerth ist namentlich der reiche 
statuarische Schmuck, der mit einer Justitia in der Nische des 
Hauptgeschosses beginnt und auf der Spitze des Giebels mit 
einer Figur der Religion endet. 
Die Wohnhausfacaden von Neisse haben einen Gesammt- 
charakter, der sich ebensowohl von dem Breslauer wie von dem 
Brieger unterscheidet und den erfreulichen Beweis liefert, dass 
wir es in allen diesen Städten mit selbständigen Bauschulen 
zu thun haben. Die Neisser Faeaden sind weit kräftiger profi- 
lirt als die Breslauer und selbst als die Brieger. Sie gehen in 
der plastischen Durchbildung noch einen Schritt über die letzteren 
hinaus; wo jene eingeblendete Säulchen anzuwenden lieben, ündet 
man hier markige Pilaster, meistens wie am Rathhause stelen- 
artig nach unten verjüngt. Dazu kommen in der Regel energisch 
ausgebildete Voluten am Giebelrand. Mehrfach findet man aber 
ein Giebelmotiv, das von dieser reicheren Silhouette Abstand 
nimmt und die steile Dachlinie nur durch kleine mit einem 
Giebeldach herausspringende Baldachine für die einzelnen Stock- 
werke unterbricht. Diese ruhen dann auf Pilastern, welche an 
der Giebelwand fortgeführt werden. So zeigt es ein einfaches 
Haus in der Bisehofstrasse No. 72, woran sich aber der Archi- 
tekt durch ein prächtiges Portal schadlos gehalten hat. Die do- 
rischen Pilaster und der abschliessende Giebel, der in der Mitte 
das bischöfliche Wappen trägt, sind mit Metallornamenten und 
facettirten Quadern dekorirt, die Bogenzwickel mit hübsch ge- 
arbeiteten Wappen gefüllt, die Seitenwände nach einem in der 
deutschen Renaissance beliebten Motiv als Nischen ausgebildet. 
Man liest 1592 und den Spruch: Benedic domine domum 
istam et omnes habitantes in ea. Dieselbe Giebelform findet sich, 
aber ohne reichere Zuthaten, am Ring N0. 27 und noch an vier 
anderen Häusern des Hauptplatzes. Mit geknppelten Pilastern 
und "schwerbauchigen Voluten ist das Haus am Ring No. 6 de- 
korirt. Besonders reich gegliedert, mit derben Gesimsen und 
scharf markirten Voluten sowie energischen Pilastern, ist die 
Fagade am Ring No. 36. Ein schlichtes Bogenportal mit facet- 
tirten Quadern zeigt N0. 42 daselbst. Ein ähnliches Breslaue1'- 
strasse N0. 3 im derbsten Stil mit Metallornamenten und Rustika- 
quadern. Dieselbe Behandlung, zum höchsten Reichthum ge- 
steigert, finden wir an dem hohen Giebel Breslauerstrasse N0. 16, 
mit ganz barock geschwungenem Profil und stelenartigen Pi-
        

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