Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317178
Kap 
XIII. 
Die nordöstlichen 
Binnenländer. 
683 
deren Chorschluss südlich neben dem Hauptportal nach aussen 
vorspringt. Von der reichen Ausstattung des Innern, ven welcher 
berichtet wird, ist keine Spur mehr vorhanden. Der Prachtbau 
ist seit der gewaltsamen Zerstörung im vorigen Jahrhundert eine 
täglich mehr verfallende Ruine.  
Von den öffentlichen Gebäuden der Stadt ist zunächst das 
Gymnasium-zu nennen, welches Herzog Georg durch denselben 
Meister Jacob Bahr bis 1564 errichten liess. Ein schlichter Bau, 
der von seiner ursprünglichen reichen Ausstattung wenig auf- 
weist. Augenscheinlich war die Ausführung hier in geringere 
Hände, vielleicht von deutschen Steinmetzen gelegt; wenigstens 
ist das Portal mit dem kleinen Pförtchen daneben eine unge- 
schickte Arbeit, von missverstandenen ionischen Halbsäulen um- 
fasst, in den Zwickeln schlecht gezeichnete Figuren der Religion 
und der Gerechtigkeit. Ueber dem Portal zwei reich gemalte 
Wappen, von plumpen Engelknaben gehalten. .Be_i dem kleinen 
Pförtchen ist es auffallend, dass kein Schlussstein, sondern eine 
Fuge in den Scheitel des Bogens trifft. 
Weit ansehnlicher ist das Rathhaus, zwar gering und 
flüchtig in der Behandlung der Formen, aber durch malerische 
Gruppirung anziehend (Fig. 188). Die beiden Thürme, welche 
die Facade tlankiren, schliessen eine auf drei dorischen Säulen 
ruhende Vorhalle ein, über welcher eine auf Holzpfeilern ruhende 
obere Halle die Verbindung im Hauptgeschoss bildet. Die Haupt- 
treppe, rechtwinklig mit vier Podesten um "den mittleren qua- 
dratischen Mauerkern emporsteigend, liegt in dem links beünd- 
liehen Thurm, eine untergeordnete hölzerne in dem andern. Die 
obere Vorhalle mündet auf ein schlicht aber elegant behandeltes 
Portal, mit schönen Fruchtschnüren und Löwenköpfen dekorirt; 
in den Bogenzwickeln zwei weibliche Figuren. Im Innern haben 
die Thüren einfache aber schön componirte Renaissancerahmen. 
Die Ausführung könnte wohl von Italienern herrühren. Seine 
Bedeutung hat indess der Bau, wie gesagt, weniger dllrßh die 
Einzelformen als durch die treHliche Gruppirung des Aeusseren. 
Die Treppenthürme mit der Vorhalle, das hohe Dach mit seinen 
Giebeln, das Alles überragt von dem mächtigen Hauptthurm, 
macht dies Rathhaus zu einem der malerischsten in Deutschland. 
Derbürgerliche Privatbau in Brieg gehört meist der 
Schlussepoche an. Von Werken der Frührenaissance habe ich 
nur die köstliche kleine Facade Burgstrasse N0. 6 zu verzeichnen. 
Zwar das Bogenportal mit seiner Rustika, auf jedem Quader ein 
KfJPf oder eine Rosette, ist von geringerer Hand; aber die io- 
msehen Pilaster, welche das Erdgeschoss gliedern, mit ihren
        

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