Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317138
Kap 
XIII. 
Binnenländer. 
Die nordöstlichen 
679 
'die beiden seitlichen von Gewappneten gehalten werden. Zwischen 
ihnen, auf den Vorsprüngen des Gesimses, sieht man die trefflich 
gearbeiteten fast lebensgrossen Gestalten des Erbauers und seiner 
Gemahlin Barbara von Brandenburg. Dann folgt das Hauptge- 
schoss mit drei grossen Fenstern von schönen Verhältnissen und 
endlich ein niedrigeres zweites Stockwerk, beide durch eine 
Doppelreihe von Brustbildern fürstlicher Ahnen getrennt. Die 
Portale und sämmtliche Fenster werden durch ein Doppelsystem 
von Pilastern der feinsten korinthischen Ordnung umrahmt, von 
denen die grösseren die vertikale Gliederung der Faeade be- 
wirken. Die Fülle des Ornaments, welche alle Flächen, die Pi- 
laster, Friese, Bogenfelder, Postamente bedeckt, ist unerschöpf- 
lich. Die Ausführung derselben zeugt von verschiedenen Händen. 
Bei geistreicher Erfindung und grosser Mannigfaltigkeit der Phan- 
tasie ist die technische Behandlung meist etwas stumpf. Von 
hoher Schönheit sind die Akanthusgewinde der beiden Posta- 
mente an den Ecken der Attika; Hau dagegen das Rankenwerk 
über dem kleinen Portal. Die Kapitale zeigen sämmtlich die 
durchgebildete korinthisehe Form. Die Archivolten sind mit ele- 
ganten Rosetten dekorirt. Th-efflich sind .die vielen Portraitbilder 
ausgeführt, sehr lebensvoll die beiden Hauptgestalten, nur die 
Dame durch gar zu ängstliche Ausführung des Zeitkostüms etwas 
beeinträchtigt. Am obersten Fries liest man die Sinnsprüche: 
„Verbum domini manet in aeternum.  Si deus pro nobis quis 
contra nos.  Justitia stabit thronus." Auch sonst bei den zahl- 
reichen Bildnissen eine Menge von Beischriften, so dass auch 
nach dieser Seite der Bau zu den reichsten seiner Art gehört. 
Eine weite, mit Tonnengewölbe bedeckte Einfahrtshalle (A in 
Fig. 184) führt nach dem grossen Hofe B, wo sich dieselbe in 
einem gewaltigen, etwas zugespitzten Bogen von 30 Fuss Span- 
nung öifnet. Auch dieser Bogen ist wieder ein Prachtstück der 
Dekoration, an den einfassenden Pfeilern mit korinthischen Pi- 
lastern dekorirt, die mit Trophäen und Emblemen aller Art in 
etwas zu grossem Maassstabe geschmückt sind. Die Archivolte 
selbst ist in origineller Weise als mächtiger, von Bändern um- 
Wundener Eichenkranz charakterisirt, so dass man den Eindruck 
einer Triumphpforte bekommt. In den Zwickeln sind die Wappen 
des Herzogs sowie des ihm verschwägerten Joachim von Branden- 
burg angebracht, dabei die Jahrzahl MDLI, während am äusseren 
Portal 1552 steht. An einer kleinen Nebenpforte liest man; 
„Vortruen dar-ff aufschauen". Die Eingänge in den Keller sind 
in derber Grottenrustika gehalten, am glatten Kämpfer aber ein 
schöner Meereswellenfries.
        

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