Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317013
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Die nordöstlichen Binnenländer. 
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durch einfache Pilaster getheilt und wirksam silhouettirt, ausser- 
dem durch einige Masken geschmückt. Einen hohen, geschweiften 
Giebel zeigt sodann N0. 9, blos durch Gesimse eingetheilt, die 
Fenster mit eingekerbten Rahmen, wie sie hier öfter vor- 
kommen. 
Eine etwas abweichende, vereinzelt stehende Behandlung, 
hat der sehr derb gesohweifte Giebel Junkernstrasse 4. Die 
Formen des Metallstils sind hier im Grossen zur Anwendung ge- 
kommen, wie man sie sonst vorzugsweise an der Ostseeküste 
durch Einfluss niederländischer Meister antrilft. In der That 
kommt ein holländischer Meister im Dienste der Stadt vor, Hein- 
rich Muntig von Gröningen, der 1583 das Neue Thor bei dem 
Fischerpförtlein baute 1). Auch andere niederländische Maurer 
und Bildhauer finden sich ein. Ebenso trat 1591 der Danziger 
Meister Hans Schneider von Lindau in den Dienst der Stadt und 
ßrrichtete in der Art des von ihm dort erbauten Hohen Thores 
das Sandthor, welches 1816 abgetragen wurde?) Er brachte 
eine starke Vorliebe für Rustika mit und liebte es die Quader 
mit sternförmigen Mustern zu schmücken. Das Haus an der 
Sandkirche No. 2 besitzt ein originelles Portal dieser Art, in 
kräftigster Rustika durchgeführt, die Quaderflächen abwechselnd 
glatt oder mit jenem Sternmuster belebt. Ein ähnliches Portal, 
nur etwas unbedeutender, Schuhbrücke 32; ein anderes Goldene 
Radegasse 15, ein viertes, vom Jahre 1592, am Ring 58. Ganz 
abweichend ist das Haus Hintermarkt 5, in strenger Hochrenais- 
Sance durchgeführt, in der Auffassung der Form und der Com- 
Position nicht unähnlich dem sogenannten Hause Ducerceau's in 
Orleans. Ein einfaches, frühes Portal vom Jahre 1559 sieht man 
am Neumarkt No. 45; dagegen finden sich in der Domstrasse 
mehrere eifectvoll durchgeführte Portale der Schlussepoche, welche 
Sämmtlich eine derbe Rustika zeigen, die indess mannichfach 
modilicirt wird. An N o. 3, vom Jahre 1599, tritt sie in Verbindung 
mit römischen Pilastern und energischen Masken auf; an No. 19, 
VOII 1606, sind die Quader abwechselnd glatt gelassen und mit 
flachen Metallornamenten dekorirt; N0. 5 zeigt ganz ähnliche 
Behandlung, wahrscheinlich von demselben Meister. 
Von Kirchthürmen der Epoche ist zunächst der elegant mit 
qoppelter Laterne entwickelte der Elisabethkirche als ein tüch- 
tlgßs Werk von schönen Verhältnissen zu erwähnen. Seine Spitze 
wurde an Stelle des 1529 eingestürzten schlanken gothischen 
S  Nie. Pol, Jahrb. IV, 
chultz, Schles. Kunstleben 
113, 
19.  
Luchs, bildende Künstler 
Schultz, a. a. 0. 19. 
33 
und A.
        

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