Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1317007
666 
III. 
Buch. 
Deutschland. 
Renaissance 
Zu den reicher durchgebildeten Fagaden gehört die in der 
Kleinen Groschengasse 15. Bei mässigen Verhältnissen zeichnet 
sie sich vor den meisten andern durch edle plastische Gliederung 
aus, die im Erdgeschoss kannelirte Pilaster, im ersten Stock reich 
ornamentirte ionische Halbsäulen auf stark herausgebogenen Con- 
solen, im zweiten stelenartige Pfeiler zeigt. Alle Glieder sind 
im Stil des Friedrichsbaues zu Heidelberg mit Flächenornamenten 
bedeckt, das Ganze wirkt reich und elegant. Eine Anzahl in- 
teressanter Häuser findet man am Ring. N0. 39 hat ein kleines 
Portal mit prächtigen Fruehtschnüren an der Archivolte, mit Me- 
tallornamenten an der Laibung, Schilde mit aufgerolltcn Rahmen 
in den Zwiekeln. Der Flur ist mit einem herrlichen gothisehen 
Sterngewölbe bedeckt, die Thüren zeigen mittelalterliche Rahmen 
mit gekreuzten Stäben, alles dies offenbar vom Anfang des 
16. Jahrhunderts. Dieselbe Behandlung haben die Fenster und 
Thüren des Hofes, der gegen Ausgang der Epoche an einer 
Seite eine kräftige Holzgalerie erhalten hat. Ein prächtiges Portal 
in derber Rustika, mit dorisehen Pilastern eingefasst, in den Me- 
topen des Frieses Stierschädel und Löwenköpfe, sieht man an 
No. 52. Im Uebrigen ist diese Fagade im 18. Jahrhundert flau 
überarbeitet worden, aber drei kleine Volutengiebel geben ihr einen 
heiteren Abschluss. Im Hof vermittelt eine Arkade auf dorischer 
Säule den Aufgang zur Treppe. Eine imposante Faeade aus der- 
selben Zeit bietet No. 2, das Portal etwas zahmer, aber reich 
und lebendig, die ganze Tiefe der Laibung mit Metallornamenten 
bedeckt, Alles von feiner Ausführung. Die Faeade hat durch 
Modernisirung gelitten, aber der gewaltige Giebel ohne alle Pi- 
lastergliederung wirkt originell durch die phantastische Silhouette, 
die zum Theil in die Figuren eines aufrecht schreitenden Löwen 
und eines geflügelten Greifen, der Wappenthiere Breslau's, aus- 
läuft. Im Hof dieselbe Treppenanlage wie in No. 52, dabei aus 
früherer Zeit zwei hübsche Wappen in einer zierlichen ionischen 
Pilasterstellung. Das Nebenhaus No. 3 hat einen minder gross- 
artigen Giebel, der aber durch Pilaster und Gesimse wirksam 
gegliedert und mit maassvoll behandelten Voluten bekrönt ist. 
Im Flur sieht man ein Tonnengewölbe mit Stichkappen, elegant 
mit flachen Stuckornamenten dekorirt. Am Treppenaufgang er- 
hebt sich eine prächtige dorische Säule. Einen der kolossalsten 
Giebel bietet No. 27: die mächtigen Flächen nur durch Gesimse 
abgetheilt, die Giebellinie durch die seltsamsten Voluten, Schweife 
und Schnörkel phantastisch belebt. Von demselben Baumeister 
rührt No. 28 mit etwas kleinerem aber ganz ähnlichem Giebel. 
Originell ist auch No. 21, eine schmale, hohe Faeade, der Giebel
        

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