Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316995
K31) 
XIII. 
Binnenländer. 
Die nordöstlichen 
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lange hier die spielende Dekoration der Frührenaissance sieh im 
Gebrauch erhalten hat. 
Die letzten Zeiten der Renaissance haben in Breslau haupt- 
sächlich eine Anzahl von Faeaden hervorgebracht, welchen trotz 
grosser Mannigfaltigkeit im Aufbau und der Dekoration gewisse 
Grundzüge eigen sind. Meistens schmal auf eingeengtem Grund- 
plan angelegt, suchen sie in bedeutender Höhenentwicklung- sich 
Raum zu schaffen. Daher die vielen überaus hohen Giebel, 
Welche dem Ring und den Hauptstrassen noch jetzt ein so im- 
posantes Gepräge geben. Eine feinere Ausbildung des Einzelnen 
tritt dagegen immer mehr zurück; selbst auf reichere Gliederung 
oder Ausstattung wird in der Regel verzichtet. Nur an den Por- 
talen stellt sich zuweilen eine derbe, aber oft schon barocke 
Aussehmückung ein. Am auffallendsten ist, wie wenig diese 
Faeaden von plastischer Gliederung der Flächen Gebrauch 
machen. Die sonst in der Renaissance beliebte verticale Theilung 
durch Pilaster verschwindet seit der Mitte des Jahrhunderts fast 
gänzlich; nur die Horizontalgesimse zwischen den Stockwerken 
werden beibehalten." Ja die Abneigung gegen plastische Aus- 
bildung geht so weit, dass selbst der Erker, sonst im Norden so 
beliebt, im Privatbau gar nicht vorkommt. Dagegen war man 
Ohne Zweifel darauf bedacht, die Facaden durch farbigen Schmuck 
Oder wenigstens durch Sgraffiten zu beleben. Ein ausgezeich- 
netes, wenn auch aus späterer Zeit stammendes Beispiel solcher 
gßmalter Facaden bietet das Haus am Ring N0. 8, das bei 
Seiner ungewöhnlichen Breite dem Maler um so willkommner sein 
musste. Das Hauptmotiv bilden, noch im Sinn der Renaissance, 
gemalte Säulen von rothem Marmor mit goldenen Kapitälen; da- 
Zwischen Nischen mit Kaiserbildnissen; an den Fensterbrüstungen 
ügürliehe Reliefs. Das Ganze von vorzüglicher Wirkung, neuer- 
dings durch die anerkennenswerthe Sorgfalt des Besitzers treff- 
lich wieder hergestellt. Daneben werden dann die hohen Giebel 
durch die mannigfaltigste Silhouette charakteristisch unterschieden. 
111 diesem bewegten Umriss der kühn aufragenden Hochbauten, 
Welchen die Gothik bereits anstrebte, hat die Renaissance eine 
elgßllthümliche und selbständige Schönheit erreicht. Die Haus- 
Hure sind ursprünglich überall gewölbt gewesen, theils mit Kreuz- 
geWölben, theils mit Tonnengewölben und Stichkappen. Sie ent- 
hßllten den oft stattlich gehaltenen Aufgang zur Treppe. In den 
Hofen kommen bisweilen Galerieen auf Kragsteinen vor, wie an 
21er "Krone", bisweilen aber auch I-lolzgalerreen, wie z. B. in dem 
aus Tannengasse 3. Doch 1st bei der Schmalheit des Grund- 
rlsses gewöhnlich diese Anordnung nur an einer Seite durchgeführt.
        

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