Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316904
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Renaissance 
in Deutschland. 
Polen, Schlesien, Böhmen, Baiern Fuss gefasst und von da aus 
sich allmählich über ganz Deutschland verbreitet", ist voreilig. 
Die Renaissance hat sich vielmehr in den meisten deutschen 
Landschaften selbständig entwickelt. Vor allen Dingen aus An- 
schauung oberitalienischer Denkmale und einzelner nach dem 
Norden gelangter Kunstwerke sog sie ihre Nahrung. Es ist 
durch Nichts erwiesen, dass italienische Künstler persönlich den 
neuen Stil in Deutschland eingeführt hätten. Unsere Dürer, 
Burgkmaier, Holbein, Peter Vischer und andere Meister verwen- 
deten in ihren Zeichnungen, Gemälden, Holzschnitten, plastischen 
Werken die Renaissanceformen, ehe noch irgend eins jener no- 
torisch von Italienern ausgeführten Denkmale entstanden war. Die 
mit grossem Fleiss in dankenswerther Weise aus archivalischen 
Quellen geschöpften Ermittlungen über das Auftreten italienischer 
Maurer in Schlesienf) für die Kulturgeschichte des Landes von 
hoher Bedeutung, beweisen für das Auftreten der Renaissance 
gar Nichts. Der Meister Vincentius de Parmevztana, der 1518 in 
Breslau Bürger wurde, steht allem Anscheine nach ganz verein- 
zelt da. Wohl mag er für die Einbürgerung der neuen Formen 
thätig gewesen sein,  aber es fehlt an jedem sicheren An- 
haltspunkte zur Begründung dieser Vermuthung. Wenn aber 
auch  wie es ja Wahrscheinlich  von ihm Bauten in Breslau 
ausgeführt worden sind, die dann zweifellos den Renaissance- 
stil zeigten, so haben wir die neuen Formen seit 1488 dort in 
einer Reihe von fest datirten Werken ersichtlich deutschen Ur- 
sprungs nachgewiesen. Die Einführung des Stiles ist hier also 
nicht durch Italiener erfolgt. Dass sodann seit 1543 eine grössere 
Anzahl italienischer Bauleute bis in die siebenziger Jahre nach- 
gewiesen wird, hat für unsere Frage ebenfalls keine Bedeutung. 
Denn seit 1540 verstanden. die einheimischen Meister überall den 
Stil selbständig anzuwenden und bedurften keiner fremden Lehr- 
meister. Die „ganzen Schaaren" von Italienern, welche die Re- 
naissance in Deutschland eingeführt haben sollenä), schwinden 
also dahin.  
Gleichzeitig mit dem Hause zur Krone entstand nun das 
mit 1528 bezeichnete Portal, welches im Erdgeschoss des Rath- 
hauses zum Rathhaussaal führt. Das Gebäude selbst 3), im 
14. Jahrhundert begonnen, war erst seit 1471 eifriger gefördert 
worden und erhielt in dieser Schlussepoche der Gothik die 
Zeitschr. 
O. p. 16. 
1) Die wälschen Maurer in Breslau, von Dr. A. Schultz in der 
des V. f. Gesch. u. Altth. IX, Heft I, S. 144 H.  2)Schu1tz, a. 3h 
 3) Lüdecke und Schultz, das Rathhaus zu Breslau. Br. 1868.
        

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