Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316880
654 
III. Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
mus; auf Anschauungen der Renaissance deutet aber auch hier 
der allerliebste Fries mit tanzenden Kindern. 
Das nächste Werk fällt volle sechs Jahre später: es ist das 
Kapitelhaus beim Dom, an Welchem man das Datum 1,527 
liest. In die Backsteinfaeade wurde damals ein Sandsteinportal 
in Renaissaneeformen eingesetzt; rechtivinklig geschlossen, der 
Rahmen mit Eierstab, das deckende Gesims in reicher Weise 
mit Zahnschnitt, Eierstab und Kymation belebt, dies Alles aber 
in derber, wenig verstandener Weise. Völlig mittelalterlich ist 
die Art, wie der äussere Stab des Portalrahmens sich an den 
Ecken durchschneidet; ein Motiv, das sich an den übrigen Oeif- 
nungen, namentlich den schrägen Fenstern des Treppenhauses 
wiederholt. Das kleine innere Portal hat ebenfalls einen Eier- 
stab als Einfassung und ist mit Zahnschnittgesimse und Kymation 
bekrönt; die Spindel der Wendeltreppe hat aber einen schräg 
gerieften gothischen Fuss. So mischen sich auch hier wieder die 
Renaissanceformen mit den Elementen mittelalterlicher Kunst: ein 
Beweis, dass wir es mit der Arbeit einheimischer Werkleute zu 
thun haben. Von allen diesen bis jetzt erwähnten Schöpfungen 
kann also höchstens die Sakristeithür im Dom als Leistung eines 
Italieners bezeichnet werden; denn sie ist das einzige Werk, an 
welchem keine Spur gothischer Kunstweise sich findet. Bei der 
steten Verbindung der Geistlichkeit mit Italien liesse sich die 
Verwendung eines fremden Meisters hier am ersten erklären. 
Nun folgt das mächtige Eckhaus am Ring N0. 29 „zur 
Krone." A. Schultzl) will auf einer alten Zeichnung desselben 
die Jahrzahl 1523 gelesen haben; es nimmt mich Wunder, dass 
er das deutlich auf einem Täfelchen am Pilaster des Portals an- 
gebrachte Datum 1528 nicht gesehen hat. Beide Fagaden sind 
schlicht, ohne Gliederung, mit Stuck überzogen, auf welchem ge- 
wiss ursprünglich Malereien oder Sgrafiiten waren. Die Fenster, 
einzeln, zu zweien oder zu dreien gruppirt, haben antikisirende 
Rahmen und Deckgesimse. Am auffallendsten sind die bogen- 
förmig gezacktcn Zinnen, welche das Hache Tcrrassendach ein- 
fassen und der Faeade ein italienisches Gepräge verleihen. In 
der Ohlauerstrasse hat später eine Verlängerung des Hauses statt- 
gefunden, die sich schon durch verminderte Höhe und einen 
Wechsel in Behandlung der Fenster kund giebt. Die prachtvolle 
grosse Marnrorinschrift enthält das Jahr 1544 und fügt den Spruch 
hinzu QVAEVIS TERRA PATRIA, was wohl eher auf einen frem- 
den Besitzer als auf eincn auswärtigen Baumeister deuten dürfte. 
mehrfach 
0b en 
der fleissigen, 
1) In 
erwähnten Monographie, S.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.