Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316830
XIII. 
Kap 
Die nordöstlichen Binnenländer. 
649 
wird, so hat er gut ein Jahrhundert hindurch Zeit sich zu ent- 
falten. Wir finden ihn denn auch in allen Schattirungen von 
den ersten noch unklaren Versuchen, den einzelnen direkt 
italienischen Arbeiten, der durch diese herbeigeführten selbstän- 
digen Ausbildung bis zu den späten schon stark barocken Formen. 
Wir finden eine Anzahl von Prachtwerken in Portalen und Epi- 
taphien von ausgesuchter Schönheit, welche die Anmuth der 
Frührenaissanee spiegeln. Dann haben wir Schlösser, welche 
nicht bloss durch einzelne Prunkstücke (Liegnitz), sondern durch 
grossartige Anordnung und edle Ausbildung, sei es im Geist 
italienischer Kunst (Brieg), sei es in charaktervoller nordischer 
Umgestaltung (Oels) hervorragen. Daneben feiert das Bürger- 
thum nicht und bietet in der Entfaltung einer acht deutschen 
Renaissance an zahlreichen Privathausern in Breslau, Brieg, Lieg- 
nitz, Neisse llIUSiGTWVGTkC dieses Stiles. Besonders die allmählich 
zu immer grösserer Sicherheit fortschreitende Gestaltung der Gic- 
belfacade lässt sich durch eine Reihe von Beispielen darlegen. 
Nur der Erker hat in Schlesien so gut wie gar keine Verwen- 
dung im Privatbau gefunden. Endlich fehlt es auch nicht an 
Rathhausern, die durch wirksame Gruppirung und kräftige Glie- 
derung den mittelalterlichen an malerisehem Reiz kaum nachstehen. 
Als Material wird überall der Haustein verwendet und von dem 
gothischen Backsteinbau mit um so grösserer Berechtigung' abge- 
Standen, als derselbe in Schlesien fast ausnahmslos über eine 
Ziemlich derbe und selbst rohe Form nicht hinausgekommen war. 
Wo die Flächen, wie dies hier häufig geschieht, verputzt werden, 
da hat man stets malerischen Schmuck in vollfarbigen Fresken 
oder wenigstens in Sgraffito zu Hülfe genommen. In Wie fern 
italienische Künstler direkt bei Einführung der Renaissance be- 
theiligt sind, wird später zu erörtern sein. 
Breslau. 
Die Hauptstadt Schlesiens nimmt unter den monumentalen 
Vßrorten Deutschlands eine weit bedeutendere Stelle ein als man 
gemeinhin weiss. Schon die Gesammtanlage der Stadt hat einen 
S0 grossartigen Zug, wie Wenige von unseren mittelalterlichen 
Städten ihn zeigen. Die imposante Gestalt des "Ringes" mit dem 
herrlichen Rathhause, die klare, übersichtliche Anordnung der 
Wichtigsten Strassen findet in Deutschland nur etwa in Danzig 
und Nürnberg ihres Gleichen. Dies wahrhaft grossstadtische (le- 
Präge verdankt Breslau, das schon um das Jahr 1000 als an-
        

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