Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316824
648 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
 und zwar ein negativer  kam diesem Streben zu Statten. 
In Städten, wo wie in Nürnberg eine mächtig ausgebreitete und 
tief gewurzclte Kunst seit Jahrhunderten blühte, haftete die Mehr- 
zahl der Meister so fest an den Traditionen des Mittelalters, dass 
sie nur schwer und langsam (mit Ausnahme etwa eines Peter 
Vischer und Dürer) sich einer völlig neuen Kunst zuwandten. 
Anders in Schlesien. Hier hat zwar das ganze Mittelalter zahl- 
reiche Werke der Kirchenbaukunst hervorgebracht und dieselben 
mit bildnerischem Schmuck aller Art ausgestattet; aber kein Werk 
ersten Ranges und höchster künstlerischer Bedeutung, keine wahr- 
haft originale Leistung ist darunter anzutreffen. Die einzige 
eminent grossartige Schöpfung jener Zeit ist hier  bedeutsam 
genug  ein Profanbau: das mächtige Breslauer Rathhaus. Wir 
finden sogar, dass wo man etwas Ausgezeichnetes verlangte, aus- 
wärtige Künstler herbeigezogen wurden. So fertigte Peter Fischer 
1496 das Grabmal Bischof Johanns IV, das man noch jetzt im 
Dom sieht. Ein anderer Nürnberger Meister Hans Pleydcnwzerß" 
muss eine Tafel für den Hochaltar der Elisabethkirche machen. 1) 
Ein andres Mal beruft man einen Meister Benedict, Maurer zu 
Krakau, weil es „grosse Nothbaue" zu Breslau gebe. i) Dieser 
Benedict kommt in oder That 1518 als Stadtbaumeister vorß) 
Dagegen wird ein Brcslauer Künstler Jost Tauchen vom Erzbischof 
Johann von Gnesen beauftragt, ihm sein Grabdenkmal mit eher- 
nem Bildniss auszuführenß) Genug: wenn auch Schlesien sich 
lebhaft am künstlerischen Schaffen der Zeit betlleiligte, so befin- 
den wir uns hier doch nicht in einem der Mittelpunkte, sondern 
an der äussersten Peripherie deutscher Kunst; desshalb mochte 
um so leichter ein fremder Stil sich Eingang verschaffen, zumal 
der Sinn des Volkes hier durch angeborne geistige Regsamkeit 
und durch den freien Weltblick, welchen der Handel gewährte, 
allem Neuen offen stand. Dazu kam die Verbindung mit Oester- 
reich, wo wir ebenfalls eine frühzeitige Aufnahme der Renaissance 
fanden. 
Aber mehr als in den übrigen österreichischen Ländern be- 
mächtigte man sich hier mit eigener schöpferischer Kraft der 
neuen Formen. Schlesien gehört noch jetzt zu den wichtigsten 
und reichsten Gebieten deutscher Renaissance. Die hohe Geist- 
lichkeit und das Bürgerthum der Städte, die zahlreichen Fürsten- 
geschlechter und der begüterte Adel wetteifern in glänzenden 
Werken des neuen Stiles. Da derselbe so früh aufgenommen 
III, 133.  2) 
 Ebenda III, 
Ebenda 
133. 
III: 
185. 
Schultz,
        

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