Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316793
Kap. XIII. 
Die nordöstlichen Binnenländer. 
645 
Burg Kallenstein, zwischen Neisse und Glatz, abtragen und das 
neue Schloss J ohannisberg errichten liess,1) brachte er 1509 
bei Vollendung des Baues sein Wappen an, das mit den beglei- 
tenden Sirenen, den aus gothisehem Laubwerk und ionischen 
Kapitälen seltsam gemischten Säulen, den als Bögen verwendeten 
Delphinen eine wenn auch noch phantastisch eonfuse Renaissance 
zeigt?) (Fig. 178.) Dagegen tritt der neue Stil mit grosser 
Sicherheit und Opulenz schon 1517 am Portal zur Sakristei im 
Dom zu Breslau auf. Gemischt mit gothisehen Elementen findet 
man ihn 1527 am Kapitelhanse daselbst. Um diese Zeit scheint 
hier der Sieg der neuen Kunstweise entschieden. Nicht hloss 
von geistlichen Bauherren, auch 
in bürgerlichen Kreisen, die ander-  
wärts so lange widerstanden und  71,457; TQS""   
so zähe am Ueberlieferten fest-  
hielten, wird, wenn auch bis-  
weilen noch mit Reminiscenzcn  
'  ' ääig"    a  im  
   
energisch aufgenommen. Wir be-  '  
gegnen ihr 1521, mit spätgothi-  
sehen Elementen versetzt, am   
Stadthause zu Breslau; 1528 an   
dem prächtigen Portal im Erd-  
geschoss des Rathhauses; endlich  
111 demselben Jahre bereits an  
einem mächtigen Bürgerhause F]; Hslioxiipihiiief: Schloss 
"Zur Krone" auf dem Ringe.  
Solch frühes, einmüthiges Hin- 
geben an den neuen Stil finden wir nirgend sonstwo in Deutsch- 
land. Suchen wir den Grund dieser Erscheinung zu erkennen. 
Wir haben es mit einem Gränzlande zu thun, wo seit dem 
12. Jahrhundert durch deutsche Ansiedler inmitten slavischer 
Bevölkerungen deutsche Sitte und Bildung verbreitet worden warß) 
L 
 Nie. Pol, Jahrb. der Stadt Breslau, herausgeg. v. Büsching (Breslau 
1813.  II, 185.  2) Die Abb. nach einer Photographie, die ich der 
Güte des um die Schlesische Kunstgeschichte hochverdienten Herrn Dr. 
Luchs verdanke. Die Inschrift ist nicht minder bezeichnend: Johannes V 
ßpiscopus Vratisl. hanc arcem divo Johanni Bapt. sacravit et erexit."  
a) Ueber das Geschichtl. vgl. bes. Sommersberg, Scriptt. rer. Silesiac. und 
StenzePs Samml. unter dems. Titel; StenzePs und Tzschopprfs Urkunden- 
Sammlung; Menzel, Gesch. Schlesiens; Stenzel, Gesch. von Schlesien u. a. m.
        

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