Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316778
Kalb 
XII. 
Die österreichischen Länder. 
643 
Schweifdache vor, im Erdgeschoss ebenfalls eine Spitzbogenhalle 
bildend. Vor sämmtliche Arkadenstützen sind derbe Strebepfeiler 
gelegt, die mit geschweiften Giebeln abschliessen. Dies Alles so- 
wie der reiche Freskenschmuck der Facade, die freilich spätere 
Erneuerungen verifäth, giebt dem Ganzen eine pikante Wirkung 
trotz des geringen Materials und der flüchtigen, fast rohen Aus- 
führung' in verputztem Backstein. Das Bogenpcrtal, an den 
Seiten mit Sitznischen, hat in der Archivolte und den Zwickeln 
hübsches, wenn auch nicht eben feines Laubwerk; in der Mitte 
das Brustbild des Baumeisters. Im Innern führt eine geradläufige 
Treppe mit Podest, deren Geländer gothisches Maasswerk mit 
eleganten Renaissance-Rosetten zeigt, zu einem stattlichen Vor- 
saal, dessen Kreuzgewölbe auf einer Reihe tüchtig behandelter 
toskanischer Säulen ruhen. An den Gewölben sind in Stuck aller- 
lei Ornamente, Sterne, Rauten, Kreuze u. dgl. ausgeführt. 
Ueber die Bauten der anderen Landestheile stelle ich einige 
Notizen zusammen, die der weiteren Ausführung bedürfen. Ein 
besonders früher Bau (1539) ist das Rathhaus zu Leitmeritz. 
Wie weit derselbe schon die Renaissanceformen aufnimmt, ver- 
mag ich nicht anzugeben. Der spätesten Entwicklung des Stiles 
gehören die Rathhäuser von Reichenberg (1600) und Wessely 
(1614) an. In Olmütz vertritt das Rathhaus seinem grösseren 
Theile nach die Renaissance. Im- Ganzen scheinen aber die 
Rathhäuser in Böhmen und Mähren nicht die hervorragendste 
Partie der Entwicklung zu bilden. Auch der bürgerliche Privat- 
bau hat nur Einiges von Bedeutung aufzuweisen. Zwei schöne 
Häuser am Marktplatz zu Pilsen, mehrere Facaden in Kutten- 
berg-, das durch die Fülle seiner gothischcn Denkmäler sich den 
Wichtigsten Architekturstätten des Landes anreiht.  Mehrere 
Privathäuser in Wittingau, das eine von 1544, zeichnen sich 
durch Rundbogen-Arkaden auf abgefasten Pfeilern aus. Der ab- 
getreppte Giebel ist entweder mit Zinnen bekrönt, zwischen wel- 
Chen Rundthürmehen, ebenfalls mit Zinnen endigend, aufsteigen, 
oder die einzelnen Absätze haben ein Halbkreisfeld als Abschluss. 1) 
Mehrere Facaden in Budweis sind ähnlich behandelt?) In 
Mähren besitzen Brünn und Olmütz einige Renaissaneehäuser. 
Der Schwerpunkt liegt auch hier im Schlossbau. Ueber alle 
Theile des Landes ist eine ansehnliche Zahl von Bauten des 
hßhen Adels verstreut, die zuerst noch jenen mit gothischen Ele- 
menten versetzten Mischstil zeigen, in den letzten Decennien des 
1) lylitth. 
mit Abbild. 
der Centr. 
Comm. 
1868. 
XCVI 
mit 
Abb.  
41 ß 
Ebenda,
        

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