Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316760
642 
III. 
Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
allerdings schon stark. barock, aber durch Verbindung von Malerei 
und Reliefs von reicher Wirkung. Inmitten der heissen lärmen- 
den Stadt ist hier in freier Gartenumgebung ein Raum geschaffen, 
der den Genuss köstlicher Stille und Zurückgezogcnhcit. bietet. 
An die eine Seite stösst ein Badecabinet, als lh-opfsteingrotte 
charakterisirt, an die andere ein kleines Zimmer mit Tonnen- 
gewölbe, reicher Barockdekoration und gemalten Sccnen der an- 
tiken Heldensage. Die Fenster sind mit schönen Eisengittern 
verwahrtn An diesen Flügel schliesst sich eine lhcpfsteingrotte, 
die als Vogelhaus angelegt ist. Mit diesem mächtigen Bau 
ist die ausserste Grenze der Renaissance in Prag erreicht, ja 
zum Theil schon überschritten.  
In den übrigen Theilen Böhmens werden zahlreiche Werke 
der Renaissance angeführt, über deren Mehrzahl ich indess nicht 
aus eigner Anschauung berichten kann. Nach den zuverlässigen 
Notizen eines sachkundigen Freundes 1) bewegt sich im Allgemei- 
nen die Renaissance Böhmens in ähnlichen Bahnen, wie die der 
meisten deutschen Lander. Auch hier scheint der fremde Stil, 
abgesehen von jenen einzelnen glanzvollen Leistungen fremder 
Künstler, von denen wir schon sprachen, mit einer gewissen 
Energie von den einheimischen Meistern ergriffen, umgestaltet 
und mit den Traditionen der Gothik verschmolzen worden zu 
sein. Künstler in der Richtung des schon genannten Benesch 
von Laun hat es offenbar mehrfach im Lande gegeben. So ent- 
stand denn auch hier zunächst ein Misch- und Uebergangsstil, 
der noch jetzt in manchen Werken sich erkennen lasst. Bemer- 
kenswerth als Symptom von der geistigen Selbständigkeit des 
Landes ist sodann, dass neben den Schlössern der Fürsten und 
des Adels auch das Bürgerthum in den Städten durch den Bau 
von Rathhausern und Wohngebäuden sich an der künstlerischen 
Bewegung der Zeit betheiligt. 
Um zunächst mit diesen zu beginnen, so bietet das schon 
erwähnte Rathhaus zu Brüx vom J. 1560 bei geringem Werth 
der künstlerischen Ausführung doch durch seine Anlage ein 
Ganzes von originellem Eindruck. Seine langgestreckte Fagade, 
die Westseite des Marktes beg-ränzend, öffnet sich mit theils rund- 
bogigen, theils spitzbogigen Arkaden. An der südlichen Ecke 
springt ein viereckiger Thurm mit einem in Böhmen beliebten 
1) Prof. B. Grueber hat die Güte gehabt, mich aus seiner reichen 
Kenntniss des Landes mit Nachrichten zu unterstützen. Da wir von ihm 
demnächst eine ausführliche Geschichte der Renaissance in Böhmen zu er- 
warten haben, so mögen bis dahin die nachfolgenden kurzen Bemerkungen 
genügen.
        

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