Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316680
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III. Buch. 
Renaissance in 
Deutschland. 
von Sternberg, die auffallende Form eines sechsstrahligen Sternes 
geben liess. Ferdinand I legte hier einen Thiergarten an und 
umfriedete denselben mit einer hohen Mauer. Im Innern des 
Schlosses liess er reiche Stuckdekorationen ausführen, zu denen 
er die uns schon bekannten Italiener Paul della Stella, Hans de 
Spatio und dazu angeblich einen Meister Ferrabosco di Lagno ver- 
wandte. Zugleich wurden mehrere einheimische Maler beauftragt, 
die Sääle mit Gemälden zu schmücken. Das obere Stockwerk er- 
hielt damals Fussböden von glasirten Backsteinen, und das Gebäude 
wurde mit einem Kupferdach gedeckt, an welchem man noch 1565 
zu arbeiten hatte. Auch Rudolph II sorgte für weitere Vervoll- 
ständigung des künstlerischen Schmuckes. Wiederholt wurden 
in dem glänzend hergerichteten Lustschloss Festlichkeiten ver- 
anstaltet, namentlich Bankete bei Anwesenheit fremder fürstlicher 
Gäste abgehalten. Im Stern war es auch, wo der unglückliche 
Winterkönig am 31. October 1619 feierlich von den Vornehmen 
des Landes empfangen wurde, und von WO er seinen. Einzug in 
die Königsstadt hielt. Während des dreissigjährigen Krieges 
ihatte das Schloss viel zu leiden, und büsste u. a. sein ganzes 
Kupferdach ein; aber unter Ferdinand III wurde eine aber- 
malige Renovation vorgenommen, und Leopold I liess das Innere 
neuerdings mit Gemälden schmücken. Aber unter Joseph II ward 
der Prachtbau zum Pulvermagazin herabgewürdigt, welcher Be- 
stimmung er jetzt noch dient. Nur 1866 Während der preussisehen 
Invasion erlebte der Bau für kurze Zeit bessere Tage, denn beim 
schleunigen Zurückweichen der Truppen nahm die Stadtgemeinde 
das Schloss in Beschlag und entfernte daraus die zum Hohn auf 
seine künstlerische Bedeutung und zu beständig drohender Gefahr 
fir die ganze Umgebung darin niedergelegten Pulvermassen. Da- 
mals strömte Alt und Jung herbei, um sich an den immer noch 
reichen Ueberresten ehemaliger Pracht im Innern zu erfreuen, 
und ein kunstsinniger Architekt benutzte die nur zu kurze Frist, 
um von den Stuckreliefs Zeichnungen und Abgüsse herzustellen. 1) 
Sogleich mit dem Frieden nahm die Militärverwaltung das Ge- 
bäude wieder in ihre Hand und gab es seiner unwürdigen und 
gefährlichen Bestimmung zurück. Vergeblich sind bis jetzt alle 
Vorstellungen von Freunden der Kunst und des Alterthums ge- 
wesen, dies hochoriginale Bauwerk, ein Unicum seltenster Art, 
 Herr Emil Hofmeister in Prag hat sich in anerkennenswerther 
Weise dieser Mühe unterzogen. Ihm verdanke ich nicht bloss Abgüsse 
der Reliefs, sondern auch die hier rnitgetheilten Grundrisse und einen mit 
Saehkenntniss geschriebenen Aufsatz, auf welchem meine Darstellung be- 
ruht. Vgl. dazu Centr. Oomm. Mitth. 1867 u. 1868.
        

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