Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316608
626 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
Benedikt von Laun einen jener Künstler, welche neben der 
gothischen Ueberlieferung, in der sie aufgewachsen waren, sich 
die Kenntniss der italienischen Renaissanceformen zu verschaffen 
gewusst. 1) In den anstossenden, aus derselben Zeit herrühren- 
den Gemachern sieht man ähnliche Netzgewölbe, dagegen fehlt 
der übrige Theil der ursprünglichen Ausstattung. Aus diesem 
Flügel des Palastes wurde ein Bogengang in das südliche Neben- 
schitf des Domes geführt, wo Wladislav sich durch denselben 
Meister ein Oratorium herstellen liess, dessen Stirnseite mit reich 
verschlungenem Astwerk in spatgothischem Stil geschmückt ist. 
Man sieht also, dass bei Meister Benedikt trotz einzelner Re- 
naissancemotive die gothische Kunst noch vorherrscht. 
Die volle italienische Renaissance tritt erst in dem Belvedere 
Ferdinands I, hier aber freilich mit einem Werk ersten Ranges 
auf. Ferdinand I begann 1534 mit dem Bau einer Brücke über 
den Hirschgraben?) und der Anlage eines Lustgartens auf der 
weithinschauenden Höhe, welche sich nördlich vom Hradschin 
erstreckt. Unvergleichlich herrlich ist von hier aus der Blick 
auf den tiefen von der Moldau durchströmten Thalkessel, welcher 
bis auf die umgebenden Höhen von der gewaltigen Stadt mit 
ihren Palästen, Kirchen, Kuppeln und Thürmen erfüllt wird. 
Seit 1536 wurde hier. das Belvedere erbaut, nach den Planen 
des aus Italien herbeigerufenen Paul della SteZZa, der beim Kaiser 
in hoher Gunst stand und die Leitung des Ganzen hatte. Unter 
ihm finden wir die Italiener Hans de Spalio und Zoan Maria, sowie 
einen Deutschen Hans Trost, der ohne Zweifel in Italien sich 
mit der Renaissance vertraut gemacht hatte. 3) Wöchentlich wurden 
250 Rheinische Gulden auf den Bau verwendet, der" namentlich 
im "Jahre 1538 energisch geführt und bis zur Einwölbung des 
Erdgeschosses gebracht wurde. Dann trat eine Ebbe in der 
Kasse ein; die italienischen Arbeiter wurden widerspänstig und 
Hans de Spatio drohte sogar nach Italien zurükzukehren. Mit 
Mühe wurden sie zufrieden gestellt, so dass der Bau fortgeführt 
werden konnte und wahrscheinlich 1539 die Einwölbung beendigt 
1) Dem gegenüber muss ich freilich bemerken, dass Grueber auf 
Grund genauer Untersuchungen die Gleichzeitigkeit der Fenster mit der 
übrigen Composition in Abrede stellt. Sollte sich diese Annahme bestä- 
tigen,  wobei freilich die Inschrift immer schweren Anstoss geben Wird 
 so wäre doch spätestens an die Zeit Ferdinands I zu denken, unter 
welchem Herstellungsbauten an der Burg stattfanden.  2) Vgl. den Auf- 
satz in Försters Allg. Bämz. 1838. S. 345 H. u, die Taü. CCXXXII-CCXXXV. 
 3) Wie es sich mit dem bei Dlabacz, KllnStlGY-LGJL, als Erbauer des 
Belvedere genannten „Ferrab0sc0 von Lagno" verhält, weiss ich nicht 
anzugeben.
        

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