Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316526
618 
Buch. 
III. 
Renaissance 
in Deutschland. 
Werth aber von guter Gesamnitwirkung. Von den inneren Räumen 
ist die Kapelle noch gothisch mit Sterngewölbe, die Empore für 
die Herrschaft auf stämmiger Mittelsäule ruhend, die Apsis poly- 
gon, das Ganze renovirt. Die alte Orgel zeigt prächtig eingelegte 
Arbeit und Malereien. Gegenüber der Kapelle liegt das Bad mit 
einem hübschen Vorzimnier, dessen reich proiilirte Decke gleich 
dem untern Theil der Wände aus Holzgetäfel besteht. Die oberen 
Wandtlächen waren mit arg zerstörten Fresken geschmückt, Welche 
heitere Badescenen enthielten. Ueber der Thür die Jahrzahl 1567, 
die wohl für die ganze Ausstattung maassgebend ist. 
In den oberen Räumen sind sowohl im ersten wie im zweiten 
Stock die Zimmer grossentheils noch mit ihrem Täfelwerk an 
den Decken und mehrfach an den Wänden versehen. Diese 
Arbeiten sind einfach und gut, aber nichtsehr reich oder kraft- 
voll. Nur ein Schlafzimmer zeigt eine ungemein reichgeschnitzte 
und eingelegte Decke. Auch der Speisesaal hat eine durch ihre 
perspektivische Eintheilung interessante Täfelung. Von der Aus- 
stattung sind manche tüchtig gearbeitete Schränke, Schreibtische, 
Kunstschreine, Schmuckkästen u. dergl. erhalten; Manches aber 
ist auch erst neuerdings dazu gefügt worden. Das Wichtigste 
ist eine ganze Reihe alter glasirter Oefen, zum Theil mit 
plastischem Schmuck, von grossem Reichthum, durchweg indess 
schon in den derben Barockformen des 17. Jahrhunderts aus- 
geführt. Auch ein gusseiserner Ofen derselben Zeit mit biblischen 
Reliefdarstellungen ist erhalten. Diese Arbeiten, die wohl sicher 
im Lande entstanden sind, zeugen von der langandauernden 
Blüthe und künstlerischen Ausbildung des Handwerks. 
Von den zahlreichen Schlössern des Landes 1) ist Manches 
zerstört, das Meiste übrigens in Anlage und Ausführung nrittel- 
alterlieh. Charakteristisch" ist bei diesen Werken die hohe Vor- 
liebe für Freskodekoration. So in umfassendster Weise die be- 
rühmten Wandgemälde auf Schloss Runkelstein bei Bozen, 
ferner im Schloss Reifenstein bei Sterzing, im Schloss Bruck 
bei Lienz, im alten Schloss Meran u. s. w. Aus der Zeit der 
Renaissance enthielt Schloss Marienburg bei Völlau bis vor 
Kurzem mehrere mythologische Darstellungen. Reich ausgestattet 
und mit werthvollen Schätzen des Alterthums geschmückt ist 
Schloss Tratzberg, durch seinen launstsinnigen Besitzer würdig 
hergestellt. Ein völlig erhaltenes Prachtwerk der Renaissance 
ist Schloss Welthurns bei Brixen, das von 1580 bis 1587 vom 
1) hlanche werthvolle Notizen 
Ztg. 1868. Nr. 305 u. 331. 
in 
zwei Alufsätzexm 
der Beil. 
zur Allg.
        

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