Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316499
Kap- 
XII. 
Länder. 
österreichischen 
Die 
615 
den 
lokalen 
klimatischen 
Verhältnissen 
mit 
Nothwendigkeit 
her- 
vorgegangen. 
Zeigt Bozen in seinen belebten engen Gassen und dicht ge- 
drängten Häusern die Handelsstadt, so prägt sich. die geistliche 
Residenz in dem stillen, von Klöstern und Kirchen erfüllten 
Brixen aus. Der Privatbau ist im Ganzen ohne feinere Durch- 
bildung. An der hohen Facade vertreten die häufig vorkommen- 
den polygonen Erker deutsche Sitte; aber die überhängenden 
Dächer, die Balkone vor den Fenstern und mehr noch die viel- 
fach angewendeten steil aufsteigenden Zinnenkrönungen  an 
die kastellartigen Adelspaläste Verona's und andrer italienischer 
Städte erinnernd  gehören dem Süden. Vielfach müssen auch 
Malereien, ebenfalls nach dem Vor-bilde der benachbarten Städte 
Oberitaliens, ursprünglich die Facaden belebt haben. Ein hübsches 
Beispiel vom J. 1642, graue decorativc Fresken, Putti mit Guir- 
landen, musicirende Kinder, Festons mit lustig flatternden Bändern, 
sieht man an einem Hause auf dem linken Flussufer bei der 
Brücke. Auch die Schmiedekunst hat sich in den Eisengittern 
der Balkone mannichfach erprobt. Künstlerisch durchgebildet 
findet man den Typus dieses Privatbaues an einem stattlichen, 
der Nordseite der Pfarrkirche gegenüberliegenden Privathaus 
(Fig. 170). Die verputzten Flächen zeigen mehrfach Spuren 
grauer dekorativer Malereien, Fruchtschnüre mit flatternden Bän- 
dern. Mit ihnen muss der rothe Stein der Pfeiler, Gesimse und 
Fenstereinfassungen treülich eontrastirt haben. Im Innern bildet 
Sich ein grosser Flur, dessen Kreuzgewölbe auf mittelalterlichen 
Säulen mit schlanken Blattkapitälen ruhen. Von hier steigt die 
ebenfalls gewölbte steinerne Treppe mit kräftiger Balustrade 
empor. Neben ihr bleibt ein schmaler Gang frei, der zu dem 
überaus engen Hofe führt, dieser auf der einen Seite durch eine 
Vßrgekragte Galerie, die oben von rohen Säulen aufgenommen 
wird, noch mehr eingeengt. Es ist die Anlage, welche fast über- 
all hier wieder-kehrt. 
Der geistliche Charakter der bischöflichen Residenz spricht 
sich vor Allem in den zahlreichen Kirchen aus. Der Dom mit 
Seinem Zubehör bildet ein ganzes Conglomerat kirchlicher Ge- 
bäude, künstlerisch nicht eben erheblich, für unsre Betrachtung 
ohne Werth. Doch mag daran erinnert werden, dass der übera 
aus reiche Freskenschmuck der romanischen Kreuzgänge Wieder 
auf südliche Einflüsse deutet. Die Architektur dagegen scheint 
hier in keiner Epoche höhere künstlerische Durchbildung er- 
fahren zu haben. Dies gilt auch von dem stattlichsten Gebäude, 
dem südwestlich vom Dom liegenden Bischöflichen Palast,
        

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