Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310784
Kap- 
Anfänge 
deutscher 
Renaissance bei Malern und Bildhauern. 
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und architektonischen Umgebung lebensvoll hinzustellen, sie aus 
der schablonenhaften Form und vom Goldgrunde des Mittelalters 
Zu befreien, ist ein ebenso kühner Bruch wie die That eines 
Brunellesco, Ghiberti, Donatello es irgend war. Ging (10011 das 
ganze Streben der Zeit dahin, aus dem traumhaften Idealismus 
und der dürren Scholastik des Mittelalters zur Wahrheit, 'zu 
lebensvoller Weltxrirklichkeit durchzudringen. Hier war es die 
Natur, dort in erster Linie die Antike, aus der die Kunst sich 
Veljüngen sollte. 
Wie diese Natur-Wahrheit im Norden sich mit reissendcr 
Sehnelligkeit zunächst in der Malerei und Plastik verbreitete, 
aus der flandrischen Schule bald über alle Gebiete Deutschlands 
dr 311g, musste die neue Kunst in scharfen Contrast mit der ab- 
gelebtcn gothischen Architektur treten. Diese war völlig in den 
Dienst eines handwerklichen Schematismus gekommen und gefiel 
sich, von den Händen wackerer aber etwas spiessbürgerlicher 
Werkmeister gepflegt, in technischen, namentlich eonstructiven 
Bfavourstüelaen, wie z. B. dem Thurmhelm des Strassburger 
Münsters, oder in Spielereien mit monoton hergeleierten Mass- 
Werkformen. Man musste bald überall fühlen, dass dieser Stil 
hinter den Forderungen, welche die neue Zeit aufstellte, unrettbar 
zurückgeblieben sei. Zwar fristete er noch über ein Jahrhundert 
Sein Dasein, denn nichts klebt so zäh am Althergebrachten, als 
das in der Routine ergraute Handwerk. Wir können uns daher 
nicht wundern, wenn wir bis ins 16. Jahrhundert den gethiSßhell 
Stil in Deutschland herrschend finden, ja, wenn er in manchen 
Einzelheiten sich sogar noch bis ins 17. Jahrhundert zu erhalten 
Weiss. Aber ebenso begreiflich ist es auch, dass bei den zahl- 
reichen Berührungen Deutschlands mit Italien, den Kriegszügcn 
der Kaiser, den Handelsverbindungen, den wissenschaftlichen 
Beziehungen, die dort so glänzend entfaltete neue Baukunst bald 
auf Deutschlaiid zu wirken begann. Es hatte sogar viel früher 
geschehen müssen, wenn die Bewegung in den künstlerischen 
Kreisen nicht an den politischen und religiösen Verhältnissen ein 
Gegengewicht gefunden hatte. Denn dass die bildende Kunst 
seit van Eyck mit der Gothik auf gespanntem Fusse stand, lasst 
Sich leicht aus den zahlreichen Gemälden der Zeit erkennen. 
Qbwohl die Maler in ihren architektonischen Beiwerken und 
Hintergründen im Allgemeinen die gothischen Formen nicht ver- 
schmahen, scheint doch der Spitzbogen ihnen unbequem zu sein, 
denn fast ohne Ausnahme gebrauchen sie an seiner Stelle den 
Rllndbogen. Ist es nun ein Wunder, dass wir die Renaissance 
in Deutschland etwa seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts bei
        

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