Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316391
Kap 
XII. 
österreichischen Länder. 
Die 
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eine Gliederung und an den Ecken eine kräftige Umrahmung. 
Reicheren Schmuck hat nur das Portal erhalten, das von köst- 
lichen Ornamenten im Stile der feinsten venezianischen Früh- 
renaissance förmlich bedeckt ist. Die einfassenden vertretenden 
Säulen sind in spielender Weise nach unten korbartig ausge- 
baueht und mit Fleehtwerk umwunden, eine kindliche Art von 
Charakteristik, deren erste Spuren in der Renaissance sich an 
Albertfs Meisterbau, S. Francesco zu Rimini nachweisen lassen. 
Das Wappen des Erbauers, von üppiger Ornamentik umgeben, 
krönt diesen prächtigen Portalbau. 
Die übrigen Theile des Aeussern sind ganz schlicht behan- 
delt. An der westlichen Seite tritt nur ein kleiner Rundthurm 
vor; die Südseite hat dagegen in der Mitte ein zierliches Portal, 
das in den Garten führt. Elegante korinthisehe Pilaster fassen 
es ein, an den Postamenten mit Flaehreliefs geschmückt, Her- 
kules im Kampf mit dem Nemäisehen Löwen, andrerseits mit 
Antäus darstellend. Auch diese Arbeiten, sowie in den Bogen- 
zwiekeln die schwebenden Figuren mit Füllhörnern verrathen die 
Hand von Künstlern der lombardischen Schule, welche seit dem 
15. Jahrhundert die ganze Bildhauerei Oberitaliens bis nach Ve- 
nedig hinein beherrschten und hier wohl ihre nördlichste Ver- 
zweigung getrieben haben. 
Ein entschieden späterer Anbau ist das grosse Portal, wel- 
ches in derber dorischer Rustika neben der Ostseite des Palastes 
von aussen den Zugang zum Garten vermittelt, von einem 
schmalen Pförtchen begleitet. Eine prunkvolle Inschrift nennt 
Graf Johann von Ortenburg als Erbauer desselben. 
Tritt man durch das Hauptportal in's Innere des Schlosses, 
so enthüllt sich erst die ganze Bedeutsamkeit der Anlage. Man 
befindet sich in einem grossen von Arkaden umschlossenen Hofe, 
der den reichsten Palasthöfen Italiens nichts nachgiebt, ja durch 
die Anlage der Treppe und ihre Verbindung mit den Bogen- 
hallen an malerischem Reiz den meisten überlegen ist. Unsere 
Abbildung Fig. 167, nach einer Photographie ausgeführt, giebt 
die nordwestliche Ecke dieses schönen Hofes. Frei behandelte 
ionische Säulen nehmen im Erdgeschoss die Arkaden auf, wah- 
rend korinthisirende kurzstammige Stützen das Treppenhaus und 
die obern Arkaden tragen. Elegant durchbrochene Balustraden, 
von reichen Pfeilern rhythmisch getheilt, dienen der Treppe wie 
den oberen Arkadengängen als Einfassung. Ueberall in den Bogen- 
zwickeln, den Pilasteriiächen, den Postamenten und Brüstungs- 
feldern ist zierliches Ornament in Ranken und Laubwerk, aber 
auch in figürlichen Reliefs, besonders in Medaillons mit Brust-
        

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