Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310773
Kapitel. 
Anfänge 
der Renaissance 
bei 
und 
Malern 
Bildhauern. 
Wenn es irgendwo klar wird, dass das Mittelalter sich voll- 
ständig überlebt hattc, so ist dies bei der Betrachtung der künst- 
lerischen Schöpfungen dieser Epoche der Fall. In dem Kampfe 
des neuen Stiles mit den Formen der mittelalterlichen Kunst er- 
kennen wir den Kampf zweier entgegengesetzter Weltanschauun- 
gen. Das Mittelalter hatte den Gipfel seines Schaffens in der 
kirchlichen Baukunst, und diese den ihrigen im gothischen Stil 
gefunden. Dieser war in hervorragendem Sinne auf den Kirchen- 
bau berechnet, musste deshalb einer Zeit, die aussehliesslich 
kirchlich gesinnt war, zum höchsten Ausdruck ihres Wollens und 
Könnens gereichen. Wenn ein so tiefer Kenner des Mittelalters 
wie Schnaasei) vom gotliischen Stil sagt, dass er gleich Anfangs 
für weltliche Zwecke nicht wohl geeignet war, so haben wir 
dies einfach zu unterschreiben. Wohl hat das Mittelalter seine 
Rathhauser und Gildenhallen, seine Schlösser und Burgen, sowie 
die städtischen Wohngebäude charaktervoll in diesem Stile aus- 
geprägt; aber eine zu starke Färbung kirchlicher Kunst verbindet 
sich damit, als dass sie den Ausdruck weltlichen Behagens rein 
gewähren könnten. Schon seit dem 14ten Jahrhundert, wo das 
Bürgerthum mächtig aufblüht, die Städte in Reichthum und Bil- 
dung wachsen, die Lebenslust sich überall kräftig regt, beginnt 
der Verfall des gothischen Stiles als ein nothwendiger Reflex 
dieser Bewegung. Er hatte seine Rolle ausgespielt; eine andere 
Zeit mit neuen Gedanken verlangte neue Formen. Wie diese 
zuerst in Italien durch das Studium der antiken Denkmäler schon 
seit dem 14. Jahrhundert vorbereitet wurden, bis sie um 1420 
zum Durchbruch kamen, ist bekannt. 
Während diese Umgestaltung sich im Süden vollzog, brach 
der Norden nicht minder entschieden, wenn auch in anderer 
Richtung, mit den Traditionen des Mittelalters. Hubert Van Eyek 
gehört sicherlich zu den grössten Bahnbrechern und Pfadfindern 
der Kunstgeschichte, denn seine neue Art, die Natur streng Izu 
studiren und die menschliche Gestalt mit ihrer landschaftlichen 
1) Zeitschrift für bild. 
der franz. Ren. 
Kunst IV. 304, in 
der Besprechung meiner Gesch.
        

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