Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316293
Kap 
XII. 
Die österreichischen Länder. 
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die Steiermark seit alten Zeiten durch ihre Eisenindustrie aus, 
die im Mittelalter und mehr noch in der Epoche der Renaissance 
zu einer wahrhaft künstlerischen Durchbildung der Schlosser- 
und Schmiedearbeit geführt hat. Noch jetzt trifft man im ganzen 
Lande, nicht bloss in den Städten, sondern auch an schlichten 
Bauerhäusern zahlreiche Reste dieser charaktervollen Werke. 
Auch über die benachbarten Gebiete von Salzburg, Tirol und 
Oesterreich erstrecken sich diese schönen Arbeiten. Ein treif- 
liches Beispiel bietet der in Fig. 161 abgebildete Brunnen in 
Bruck an der Mur. Trotz des späten Datums 1626 ist er in 
technischer Ausführung und stilvoller Behandlung den Werken 
der besten Zeit ebenbürtig. Man liest an ihm den Spruch: 
Ich Hans Prasser 
 Trink lieber Wein als Wasser. 
Trank ich das Wasser so gern als Wein, 
So könnt ich ein reicher Prasser sein. 
Mit diesem humoristischen Spruch hat Wahrscheinlich der kunst- 
reiche Meister seinen Namen verewigen wollen. 
Mit dieser Blüthe des Kunsthandwerks eontrastirt auch hier 
in auffallender Weise die Dürftigkeit der architektonischen Pro- 
duktion. Nur die Landeshauptstadt Graz scheint durch ansehn- 
licherc Werke der Renaissance sich auszuzeichnen. Der wich- 
tigste und an sich sehr bedeutende Bau ist das Landhaus, mit 
welchem Namen man in Oesterreieh die für die ständische Ver- 
tretung errichteten Gebäude bezeichnet. Aber auch dieses Monu- 
mcnt tragt so entschieden das Gepräge italienischer Kunst, dass 
man es als Werk fremder und zwar oberitalienischer Meister 
bezeichnen muss. Die sehr ausgedehnte Facade, die über dem 
Dach von einem unbedeutenden Glockenthurm überragt Wird, ist 
im Erdgeschoss von einer Reihe thorartiger Oefthungen durch- 
brechen, die wohl für Kaufläden bestimmt waren. Die beiden 
Hauptgeschosse haben gekuppelte Bogenfenster, paarweise durch 
antikisirendes Gebälk und Gesimse abgeschlossen. Dies ist völlig 
im Charakter der Paläste "von Venedig und Verona. Ueber dem 
Hauptportal bildet sich eine selbdritt zusammengesehlossene 
Gruppe, die im zweiten Stock, Wieder in venetianischer Weise, 
mit einem auf kräftigen Consolen ruhenden Balkon verbunden 
ist. Das oberste Geschoss hat kleine Mezzaninfenster. Im Uebri- 
gen ist die Fagarde ohne Gliederung, die Flächen verputzt, aber 
Wohl ursprünglich bemalt. Das Hauptportal, von stark verjüngten 
kannelirten toskanischen Pilastern eingefasst und von kräftigem 
Consolensims bekrönt, zeigt in den Bogcnzwickeln das Wappen- 
thier Steiermarks, den feuerspeienden Panther. Die Facade so- 
3er
        

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