Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316238
Kap 
XII. 
Die 
österreichischen Länder. 
589 
ganzen Lande. An der Unterseite sind Reliefornamente aller Art 
angebracht, Thiere, Jagdscenen, Büsten etc. und die Jahrzahl 
1555.  Ein sehr schöner Renaissancebau von 1650 ist die Burg 
Schleinitz bei Eggenburg, leider bereits sehr verfallen. Der 
mit Marmorplatten belegte grosse- Saal im zweiten Stockwerk 
hat einen vorzüglichen Stuccoplafond. Sodann das nordöstlich 
von Wiener-Neustadt gelegene Schloss von Ebreichsdorf, eine 
ehemalige Wasserveste, im Viereck erbaut mit mäehtigem Thurm 
an einer Ecke, leider stark restaurirt; sehr interessant die Wappen- 
reihe über den Bogen des Erdgeschosses der Hofseite, um 1560. 
Am Friedhofe daselbst steht eine Tumba, als Bekrönung des 
Grufthügels, in dessen Gewölbe sich das Erbgrabmal der Familie 
Beck v. Leopoldsdorf befindet. Die Tumba, im Stile der reinsten 
Renaissance gebildet und mit vielen Wappen geziert, gehört in 
die letzten Jahre des 16. Jahrhunderts. In Gaming zählen von 
den noch bestehenden Gebäudetheilen der ehemaligen Karthause 
die Praelatur mit dem prachtvollen Bibliotheksaal, ferner der 
zweite Klosterhof mit den offenen Galerien, endlich und zwar 
insbesondere das herrliche Kirchenportal noch zur guten Re- 
naissance. Sie entstanden 1609 unter Prior Hilarion.  In 
Klosterneuburg ist das ältere Conventgebäude, ein Bau aus 
dem Ende des 16. Jahrhunderts, namentlich aber der Priester- 
gang als Werk der Renaissance sehr beachtenswerth. Ein ande- 
Per ebenfalls als bedeutend geschilderter Bau ist endlich das 
Schloss von Michelstätten. Es stammt aus der Zeit um 1600 
und gehört seinen Formen nach den letzten Jahren der schönen 
Renaissance an. Vor allem wird es dadurch merkwürdig, dass, 
Während damals die feudalen Grossgrundbesitzer auf den neu 
entstandenen Landsitzen die Wehranlagen auf ein Minimum be- 
schränkten, um eine reiche Entfaltung des Bauwerks nach Aussen 
möglich zu machen, bei diesem Gebäude das Gegentheil befolgt 
wurde. Nach Aussen wehrhaft, düster, sehmucklos angelegt, er- 
hielt das Schloss im Innern eine Doppelreihe rundbogiger auf 
Säulen ruhender Arkaden, wodurch offene Hallen, Galerien, ge- 
Täumige Vorplätze und Communicationen ermöglicht wurden. Im 
Grundrisse bildet das Gebäude ein Seehzehneck, das nach Aussen 
nur die mit kleinen Fenstern versehenen Feuermauern und an 
den Ecken Strebepfeiler zeigt; das Dach hat nur eine Ab- 
schrägung und zwar gegen Innen, ist somit an der Aussenseite 
nicht sichtbar. In Mitte des Hofes ein mächtiger, prachtvoller 
Renaissance-Brunnen, die untere Schale ein Sechseck, die obere 
lnuschelförmige Schale rund; die untere mit Wappen. Das Ganze 
mit wasserspeienden Genien, Larven, Trophäen und Blumen-
        

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