Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316228
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III. 
Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
eine bedeutende, im Wesentlichen noch mittelalterliche Anlage, 
auf steiler Felskuppe malerisch entwickelt, aber mit einem Re- 
naissancehofe und italienischen Loggien geschmückt. Ausser der 
eigentlichen Burg umfassen die mächtigen Ringmauern einen sanft 
ansteigenden Hofraum von 123 Schritt Länge bei 60 Schritt 
Breite, noch heute in seinem Namen "Turnierplatz" die ehe- 
malige Bestimmung andeutend. Ihn umgehen rings Arkaden. 
Wände und Pfeiler waren bemalt. An der Burgseite schliesst 
den Platz eine etwas niedrige Mauer mit 14 Nischen, in denen 
Statuen von Helden der römischen Geschichte aufgestellt waren. 
Ein Triumphbogen mit Pyramiden und Löwen geziert führt zur 
Brücke über den inneren Burggraben und zur Burg, die man 
durch einen massiven Thcrthurm mit zwei zierlichen Galerien 
betritt. Man kömmt nun in den ersten Burghof, links der grosse 
Saalbau, rückwärts zur Rechten ein mächtiger Thurm. Zwischen 
diesem und einem dahinter liegenden ebenfalls ein Viereck bilden- 
den Bau zieht sich ein Graben. Ueber eine Zugbrücke gelangt 
man in diesen Theil des Schlosses, der 1614 durch den damali- 
gen Schlossherrn Vincenz Muthinger von Gumpendorf erbaut 
worden ist. Hier fällt vor allem eine schöne Freitreppe von 
breiten Quadern auf ; um den ganzen iHof herum waren unter 
dem Gesimse Standbilder von gebranntem Thon angebracht, von 
denen bereits etliche fehlen. _Was die zahlreichen Gemächer 
selbst betrifft, so sind sie meistens sehr einfach ausgestattet. 
Bemerkensiverth ist indess das Holzgetäifel am Plafond des Prunk- 
saales, der farbig glasirte Estrich einiger Gemächer, sowie die 
reichen Stuecodeeken und zierlichen Oefen. Die Kapelle aus der 
Grabnefschen Zeit hat noch gothische Reminiscenzen. Diese 
grossartige Burg, durch mehr als ein halbes Jahrhundert unbe- 
wohnt und dem Verfalle anheimgegeben, wirdgegenivartig- durch 
die Sorgfalt des jetzigen Besitzers stylgemäss hergestellt: 
Unweit von dort liegt das Schloss von Göllersdorf, mit 
Wassergraben umgeben, erbaut um 1545 bis 1596, leider stark 
verwahrlost und theilweise modernisirt. Das Hauptthoi- mit dem 
gräflich Suchheimschen Wappen und der Jahreszahl 1551, ist 
eine ebenso nüchterne als lahme Oomposition. In der Capelle, 
einem Bau aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, herrliche Holz- 
Verkleidung und Stühle (1611). Im ersten Stockwerke gegen den 
Hof eine offene Galerie, zwar in gedrückten Spitzbogen errich- 
tet, sonst aber völlig im Charakter der Renaissance. Im Thurm- 
gemache ein sehr schöner Kamin mit vielen Figuren und der 
Jahreszahl 1615. Die Schneckenstiege, höchst merkwürdig, bis 
auf den Dachboden führend, hat sicher nicht ihres Gleichen im
        

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