Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316150
Kap. 
XII. 
österreichischen Länder. 
Die 
581 
niit schönem Blattwerk von leichtestem Flusse, mit spielenden 
Genien, phantastischen Drachen u. dgl. ausgefüllt, Alles noch 
entschieden im Charakter der Frührenaissance, fein und elegant. 
Erkennt man hier die Hand eines vorzüglichen Meisters, so sind 
dagegen die einfassenden Pilaster, welche die zehn Passionsbilder 
an der südöstlichen Ecke des kleinen Choranbaues umfassen, 
von sehr geringem Verständniss der neuen Formen, wunderlich 
und primitiv behandelt, in seltsamem Contrast mit der grossen 
Freiheit und Lebendigkeit der figürlichen Scenen, die einen dem 
Adam Krafft ebenbürtigen Meister verrathen.  Ein Renaissance- 
grab von 1524 sieht man sodann in der Deutschordenskirche, 
ein sehr elegantes vom Jahre 1548 in der Michaelskirche. Es 
ist das grosse am südwestlichen Pfeiler des Kreuzschiffes an- 
gebrachte rothmarmorne Epitaph des Georg von Liechtenstein, 
mit fein dekorirten korinthisirenden Pilastern eingefasst, eben- 
falls noch im Geiste der Frührenaissance. Wie dasselbe Motiv 
kurze Zeit darauf schon trocken und nüchtern umgestaltet wird, 
erkennt man in derselben Kirche an dem Grabmal im nördlichen 
Seitenchor vom Jahr 156]. 
Die Bürgerhüuscr aus jener Zeit haben wahrscheinlich ihren 
künstlerischen Schmuck hauptsächlich durch Fresken empfangen, 
nach deren vollständigem Verschwinden  denn es scheint keine 
Spur davon mehr vorhanden zu sein  die Faeaden ohne alles 
Interesse sind. Wohl tritt hie und da noch ein Erker auf, aber 
ebenfalls ohne charakteristische Ausbildung. Bedeutender ist 
Wahrscheinlich die Architektur der Höfe gewesen, deren Statt- 
lichkeit und Weite schon Aeneas Sylvius auftiel. Diese grossen 
Höfe, oft zu mehreren an einander gereiht, so dass daraus 
Durchgänge von der einen Strasse in die andre entstehen, ge- 
hören zu den Eigenthümlichkeiten der inneren Stadt. Aber von 
künstlerischem Gepräge ist nur ein einziger aus jener Zeit er- 
halten, in dem Hause am Graben N0. 14 (Fig. 155). In stattlicher 
Anlage 1) wird derselbe auf drei Seiten von Arkaden umzogen, 
Welche ausser dem Erdgeschoss die drei oberen Stockwerke um- 
ziehen. Die Arbeit ist nicht gerade von besonderer Feinheit, aber 
kräftig und charaktervoll in den ausgebildeten Formen der Re- 
naissance, wie sie etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts zur 
VeYWendnng kamen. Im Erdgeschoss ruhen die Bögen auf tos- 
l) Die Abbild. verdanke ich der gütigen Verwendung des Herrn Dr. 
Karl Lind, durch welche mir von diesem und mehreren anderen Holz- 
sehnitten aus den Mitth. der C.C01m11. und dem Jahrb. des Wiener Alterth. 
Vereins Clichels bewilligt wurden.
        

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