Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316122
578 
Buch. 
III. 
Renaissance in Deutschland. 
Das erste Auftreten der Renaissance hat man wahrscheinlich 
in dem überaus eleganten Portal der Salvatorkapelle zu 
erkennen. Die Entstehung desselben wird mit dem Breve Papst 
Leo's X1) vom 10.Juni 1515 zusammenhängen, welches verordnete, 
dass die Kapelle des Rathhauses künftig den Namen St. Salva- 
toris führen solle. Dies gab dem Stadtrath Veranlassung, die 
ersten Salvatorsrnedaillen ausprägen zu lassen, Wahrscheinlich 
auch das Portal zu errichten, Welches nicht blos in seiner Com- 
posiüon, sondern auch in der Ausführung auf die Hand ober- 
italienischer Künstler hinweist. Das Portal 2) wird von reich 
dekorirten Pilastern eingerahmt, vor welche Säulen mit frei be- 
handelten Oompositakapitälen treten, die Schäfte am Fuss über- 
trieben stark eingezogen, zum Theil kannelirt, zum Theil mit 
kriegerischen Emblemen bedeckt, ganz im Stil der spielenden 
Frührenaissance Oberitaliens. Ueberaus elegant sind die von 
Sphinxgestalten auslaufenden Akanthusranken des Frieses, die 
Zahnschnitte, Perlschnüre, Blattkymatien des Hauptgcsimses und 
der andern Glieder. Die Bekrönung bildet ein Halbkreis mit 
cassettirter Laibung, in welchem die Halbiiguren Christi und der 
Madonna als Hochrelief erscheinen, während auf den Ecken zwei 
kleinere Kriegergestalten offenbar an die Stifter der Kapelle, die 
ritterlichen Brüder Otto und Haymo, erinnern sollen. Das Ganze 
in seiner Zierlichkeit athmet den Geist echt italienischer Früh- 
renaissance. 
Weiter sind hier mehrere Grabdenkmäler anzureihen. Zu- 
nächst in St. Stephan am westlichen Ende des nördlichen 
SeitensehiEes das Epitaphium des 1529 verstorbenen Doctor Jo- 
hannes Cuspis mit seinen beiden Frauen, aus rothem lllarmor 
gearbeitet, in sehr schlichter derber Renaissanceform, die Nische 
mit den Brustbildern von Pilastern eingefasst, der Bogen mit 
einer Muschelfüllung, im unteren Felde die Angehörigen in einer 
durch dorisirende Säulchen getheilten Halle knieend. Reicher 
und grösser imnördlichen Kreuzarm das Epitaph des Domherrn 
und ehemaligen Kaplans Kaiser Max I, Nicolaus Engelhardt 
(T 1559), auch dies noch im Stil zierlicher Frührenaissance. Ein 
Hauptdenkmal ist das grosse Bildwerk von 1540, welches am 
Aeusseren der südlichen Chorseite angebracht, in der Mitte lllaria 
und Christus, umgeben von Relicfdarstellungen der sieben Schmer- 
zen Mariä enthält. Eingefasst von sehr eleganten Pilastern mit 
korinthisirenden Kapitälen, die Flächen zwischen den Bildfeldern 
L 
 Tschischka, S. 221. 
Riewel veröffentlicht. 
Eine 
t-reifliche Abbildung 
desselben 
hat
        

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