Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316108
576 
III. 
Buch. 
in Deutschland. 
Renaissance 
Charakter derselben, abgesehen von einzelnen italienischen Werken 
der Frühzeit, Weit mehr Selbständigkeit und mancherlei Ueber- 
einstimmung mit der deutschen Architektur verräth. Alles dies 
haben wir nun durch gesonderte Betrachtung der verschiedenen 
Länder näher zu erörtern. 1) 
Erzherzogtlnnn 
Oesterreich. 
Die Dürftigkeit einer so mächtigen Stadt wie Wien an 
Denkmälern der Renaissance wird immer von Neuem das Stau- 
nen des Forschers erregen. Haben wir es doch mit einer Stadt 
zu thun, die schon im Mittelalter sich einer glänzenden Blüthe 
rühmen konnte. Freilich lag der Grund zum Gedeihen Wiens 
Weit weniger in selbständiger Pflege von Kunst und Gewerbe 
als vielmehr in dem lebhaften Durchzugs- und Zwischenhandel, 
den die günstige Lage der Stadt mit sich brachte. 2) An den 
Grenzen deutschen Landes gelegen, wurde Wien der wichtigste 
Platz des Austausches zwischen dem Westen und dem Osten und 
zugleich. durch seine Verbindungen mit Italien ein Stapelplatz 
für den Handel mit dem Süden und der Levante. Welchen Beich- 
thum die Stadt im 15. Jahrhundert erlangt hatte, erkennen wir 
noch aus den lebendigen Schilderungen des Aeneas Sylviusß) 
Er rühmt nicht blos die glänzenden Kirchen, sondern auch die 
stattlichen Bürgerhäiuser mit ihrcn reich gemalten Fagaden, den 
weiten Höfen, dem prächtigen Hausrath. Besonders fallen ihm 
als Zeichen des Luxus die Glasscheiben der Fenster und die 
schönen Eisenbeschläge der Thüren auf. Von alledem ist kaum 
noch eine Spur vorhanden. Und doch hat schon im früheren 
Mittelalter die Stadt eine selbständige künstlerische Entwicklung 
erlebt. Die ältesten Theile von St. Stephan, der Kern der Mi- 
chaelskirche zeugen, wenn auch nicht von g-rossartiger, so doch 
von feiner Ausbildung des romanischen Stiles. In der gothischen 
Epoche kamen dazu reichlichere Werke des Kirchenbaues, aber 
erst mit dem Stephansdom erhob sich die Baukunst hier zu einer 
der grossen Meisterschöpfungen der Zeit. 
1) Werthvolle Beiträge in Aufnahmen und Notizen verdanke ich den 
Herren Prof. H. Ferstel und Dombaumeister Schmidt, Dr. Karl Lind, 
Dr. Albert I1 g und Architekt Riewel. Eine genauere Durehforschung des 
weitgestreckten Gebietes wird mit erschöpfondem Erfolg nur von lokalen 
Forschern zu erwarten sein.  2) v. Hormayr, a. a. O. IV, 120.  3) Aen. 
Sylv. opera (Basil. 1571.) Epist. OLXV p. 718 sq.
        

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