Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1310744
Kap- 
Geistes. 
deutschen 
des 
Renaissance 
Die 
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frei schwebt, 60 Fuss lang, etliche 30 Fuss breit. 1) In andern 
Gemächern und Galerien werden ebenfalls Teppiche, Gemälde, ein- 
gelegte Tische betrachtet. Etliche Säle haben sehr kunstreiche 
Decken von Schreinwerk, mit Farbe und Gold geschmückt. Hier 
ist sogar die Abbildung einer solchen Decke beigefügt.  
Weit werthvoller für uns ist aber die italienische Reise des 
Herzogs, 1599 unternommen, doppelt interessant, weil ein Künst- 
ler, der Baumeister Heinrich Schickhart, die Beschreibung geliefert 
hat. Ganz heimlich geht der Herzog mit wenig Begleitern, unter 
welchen Schickhart, zu Ross auf die Fahrt, um in tiefem ln- 
cognito die Herrlichkeiten Italiens zu geniessen. Aus den Aufzeich- 
nungen, so kurz sie auch sind, spricht unverkennbar das Auge 
eines künstlerisch gebildeten Architekten. Bezeichnend ist z. B. 
seine Ansicht über den schiefen Thurm zu Pisaß) dessen Neigung 
91', Wie später bei den Thürmen von Bologna, ganz verständig 
alle dem zufälligen ungleichen Setzen des Fundaments erklärt, 
beim Thurm von Pisa unzweifelhaft richtigy Während dem klas- 
Slsch gebildeten Architekten die Laune mittelalterlicher Bau- 
meister, die den Thürmen von Bologna ihre schiefe Stellung ge- 
geben hat, begreiflicher Weise nicht einleuchten will. Ein Zeichen 
derselben modernen Anschauung ist es, wenn er in Rom die alte 
Peterskirche nicht gelten lässt, obgleich etliche schöne Altäre 
darin, während er den neuen Bau über die Maassen rühmt. 3) 
In der Lateransbusilika fallen ihm, wie in andern römischen 
Kirchen, die geschnitzten und vergoldeten Hclzdecken auf, in 
Maria Maggiore die prachtvolle Kapelle Sixtus des Fünften. Be- 
Senders aber preist er im Vatican die vielen schönen Säle und 
herrlichen Gemächer, desgleichen „eine sehr schöne Kapelleß) 
in Welcher neben anderen Gemälden auch das jüngste Gericht 
Vell dem kunstreichen Maler Michaelo Angele gemalet." Das 
einzige Mal, dass wir in solchen Reiseberichten den Namen eines 
der grossen italienischen Künstler finden; aber auch hier von 
Raphael keine Spur, während Michel Angelds Ruhm schon da- 
111313 über die Alpen gedrungen War. In der vatikanischen Biblio- 
thek bewundert er den grossen prachtvollen Saal und sieht 
„ Schriften der alten Autoren, als Ciceronis, Virgilii, Ovidii, 
Welche sie selbst mit eigenen Händen geschrieben haben sollen. ü 
Von Blldwerken rühmt er den Laokoon, besonders aber im Palast 
des HCÄZOgS VOII Florenz (Villa Medici) ein „nackend Mannsbild 
Voll Welssenl lllarmelf) nicht gar lcbensgross, wetzet knieend 
 Badenfahrt 
Ebenda, B1. 2.5. 
Herzog Friedrichs, B1. 
 u Ebenda, Bl. 2a.  
 2) Ital. Reise 
Ebenda, B1. 30.
        

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