Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1316000
566 
III. 
Buch. 
Renaissance in Deutschland. 
tektonische Signatur aufgedrückt haben. Man darf sagen, dass 
in den pompösen, oft majestätisch angelegten und mit allen 
Mitteln ausgelassener Dekoration schweigenden Bauten jener 
Epoche der" Sieg über den Protestantismus sich mit heraus- 
forderndem Selbstgefühl breit macht. 
Was zwischen jenen beiden Epochen, zwischen Mittelalter 
und Barockzeit liegt, die eigentliche Periode unserer Renaissance, 
ist trotz mancher vorzüglicher Schöpfungen, ja einzelner Haupt- 
werke seltenen künstlerischen Werthes, doch gegenüber den 
Leistungen andrer deutscher Provinzen kaum in Anschlag; zu 
bringen. Vergleicht man vollends den grossen Umfang und den 
Reichthum dieser Lander, die hohe bildnerische Begabung ihrer 
Volksstamme, den von Alters her regen Sinn für künstlerisches 
Schaffen und heitere Pracht des Daseins, so wird man mit 
Erstaunen und Widerstreben eine Thatsache aufnehmen, die mit 
alledem so scharf eontrastiit und doch auf Schritt und Tritt dem 
Forscher sich aufdrängt. In der That, trotz so mancher glänzen- 
der Einzelschöpfung muss es ausgesprochen werden, dass die 
Renaissance auf diesem Boden mehr wie eine durch die Gunst 
der Grossen hieher verpflanzte, als wie eine vom ganzen Volke 
gehegte und gepflegte, mit dem  eigenen Herzblut genahrte 
Schöpfung sich zu erkennen giebt. 
Dies ist um so merkwürdiger, als in keiner deutschen Provinz 
die Formen der Renaissance so früh zu monumentaler Verwen- 
dung gelangen, wie gerade in Oesterreich. Wir treifen sie hier 
vereinzelt, was sonst kaum irgend in Deutschland vorkommt, schon 
im Ausgang des 15. Jahrhunderts. Vom Jahre 1497 datirt ein 
kleines Portal mit dem Wappen der Familie Edelsperger im 
Tirnaschen Haus, auch Federlhof genannt, zu Wienß) Im 
Wladislawsaal des Hradschin zu Prag kommt an den ausgebil- 
deten Renaissancefenstern sogar die Jahrzahl 1493 von?) Das 
prächtige Portal der Artilleriekaserne in Wienerneustadt datirt 
von 1524, die Jagellonische Kapelle im Dom zu Krakau von 
1520,3) ein Renaissanceportal in der Kirche zu Klausenburg hat 
die Jahrzahl 15284) Alle diese Denkmale, selbst den frühesten 
im übrigen Deutschland in der Zeit vorausgehend, beweisen, dass 
die Renaissance Italiens an den verschiedensten Orten in Oester- 
reich schon früh zur Anwendung gekommen war. Wie ist es nun 
 Abb. in den Mitth. der Centn-Comm. 1868. p. CXI. Flg. 7 nach 
dem Jahrb. des Wiener Alterth-Ver.  2) F. Mertens, Prag; und seine 
Baukunst in Förstefs Allg. Bauzeit. 1845. p. 15 ff. mit Abb.  3) Essen- 
wein, Krakau, Taf. XXI.   Mitth. d. Centn-Comm. 1865.
        

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