Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315998
Kali 
XII. 
Die 
österreichischen Länder. 
565 
Diese Verhältnisse erkennt man schon in den mittelalterlichen 
Monumentcn des Landes. Mit grosser Kraft wird gegen Ausgang 
der romanischen Epoche dieser Stil im Wesentlichen so wie er 
in den mittleren und südlichen Gegenden Deutschlands sich aus- 
gebildet hatte herüber genommen und bis nach Ungarn und 
Siebenbürgen hinein in glänzenden Denkmalen zur AnWßndllllg 
gebracht. Allerdings wird weder in den räumlichen Combi- 
nationen, noch in der Gliederung und Gruppirung des Aufbaues, 
noch endlich in den constructivcn Grundzügen Neues hervor- 
gebracht. In all diesen Punkten empfängt Oesterreich einfach 
das fertig Ausgeprägte, um es Weiteren Kreisen zu überliefern. 
Wohl aber bringt jene hier im Volksgeist liegende Freude am 
heiter Schönen eine Reihe von dekorativen Werken ersten Ranges 
hervor, wie die Portale zu St. Jak, "Frebitsch und Tischnowitz, 
die Riesenpforte von St. Stephan zu Wien, die herrlichen Kreuz- 
gänge von Zwetl, Lilienfeld, Heiligenkreuz. Daneben aber dringt 
von Süden schon damals vielfach die Kunst Italiens ein, wie 
besonders die Löwenportale von Bozen, Graz, Salzburg, die 
hundertsäulige Krypta von Gurk u. A. beweisen. Dies reiche 
Kulturleben hätte in der gothischen Epoche seine höchste Blüthe 
erreichen müssen, wenn die Entwicklung des Bürgerthums, bei 
uns der mächtigste Träger der Gothik, mit derjenigen im übrigen 
Deutschland gleichen Schritt gehalten hatte. Aber ähnlich wie 
wir es in Baiern fanden bleibt auch in Oestcrreich die Entfaltung 
des Städtewesens seit dem 14. Jahrhundert merklich zurück. Nur 
in Böhmen erlebt die Gothik unter dem kunstliebenden Karl lV 
eine bedeutende Blüthe, und nur der Stephansdom in Wien, 
dieser freilich mit seinem unvergleichlichen Thurm ein Monument 
allerersten Ranges, bezeugt auch hier die grossartigc Lebenskraft 
deutschen Bürgerthums. Aber dies sind Ausnahmen; im Uebrigen 
hat die Gothik trotz mancher originellen Schöpfung im ganzen 
Lande keine Denkmale höchster Bedeutung aufzuweisen. 
, Neben dieser immerhin durch Intensität hervorragenden 
Glanzepoche des Mittelalters hat die Monumentalkunst in Oester- 
reich sich nur noch in einer zweiten grossen Periode machtvoll 
offenbart: in der Zeit des späten Barockstils, vom Ausgang des 
17. bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Nachdem die Re- 
formation niedergeworfen, ja mit Stumpf und Stiel ausgerottet 
war, gab der Klerus in Oesterreich sich jener üppigen Weltlust 
hin, welche sich noch jetzt in den gewaltigen Anlagen prunk- 
voller Abteien herausfordernd manifestirt; mit dem Prälaten- 
hochmuth aber wetteifert der Stolz der Aristokratie in Aus- 
führung jener Paläste, die vor Allem Wien und Prag ihre archi-
        

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