Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der deutschen Renaissance
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1309821
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1315894
Kap. XI. 
Baiern. 
München. 
555 
seiner reichen etwas barocken Umrahmung sich zwischen den 
beiden abgeschnittenen Giebelstücken des Oberbaues erhebt. Letz- 
tere sind mit den liegenden Statuen der Regenten-Tugenden, zwei 
an jedem Portale, geschmückt. Alles Figürliche ist von Bronze, 
auch die beiden prachtvollen Löwen, welche vor jedem Portale 
Wacht halten und ein Wappen mit allegorischer Devise neben 
sich haben. Diese Bronzewerke wie die im Innern der Höfe Sillfl 
von dem geschickten Hans Krumper meisterlich gegossen. 
Der ernsten Pracht dieser Portale entspricht die grossartige 
lllarniornische, welche in Mitten der Faeade die Erzfigur der 
Madonna als der Schutzpatronin Baierns enthält (Fig. 145). Hier 
ist besonders das Decorative von hoher Feinheit, namentlich die 
köstliche Bronzelaterne am Unterbau und die aus Engelköpfchen 
mit Laubgewinden originell und geistvoll componirten Kapitale 
der Pilaster. Man fühlt sich überrascht, in dieser Epoche noch 
so viel Sinn für liebevolle Durchbildung- des Einzelnen anzutref- 
fen. Noch umfangreicher wurde die Plastik bei dem glänzenden 
Springbrunnen des Brunnenhofes verwendet, der eins der prach- 
tigsten Werke der Zeit ist, ebenso reich in der Anlatge und dem 
Aufbau wie gediegen in der Durchbildung. Alle drei Künste 
endlich wirkten bei dem kleinen Grottenhofe zusammen, der 
mit seiner kühlen Grotte, mit den Muschel-Incrustationen der 
Wände und den Gemälden der gewölbten Decke, mit der oifnen 
Säulenhalle, Welche die Hauptseite einschliesst, mit dem von 
Statuen belebten Rasen und Gebüsch, endlich der wohlabgewoge- 
nen fein abgestuften Architektur seiner Umfassungswande ein 
wahres Juwel künstlerischer Conception und poetischer Wir- 
kung ist.  
Die Absicht des Architekten bei dem grossartigen Bau ist 
aber offenbar dahin gegangen, die Hauptwirkungen sich für das 
Innere zu versparen. Zunächst ist schon das Kaiservestibül, 
in welches man vom Hofgarten aus freien Zutritt hat, eben so 
vornehm in der Anlage, wie schön in der Ausschmückung. Der 
imposante Raum von etwa 50 Fuss Breite bei circa 68 Fuss Tiefe 
wird von neun Kreuzgewölben bedeckt, die auf vier gewaltigen 
dorischen Säulen von rothem Marmor ruhen. Die hohen Gewölbe 
zeigen geistreich gemalte Ornamente auf weissem Grunde im 
Charakter der bekannten antiken Wandmalerei. Das leichte Phan- 
tasiegerüst der Architektur ist in der Mitte durchbrochen, so dass 
sich ein Blick in den blauen Aether zu öffnen scheint. Das mitt- 
lere Gewölbe hat eine reichere perspektivisch gemalte Architek- 
tur, die in den Ecken von bronzefarbenen Hermen aufsteigt. 
Wendet man sich von diesem im köstlichsten Geiste des klassi-
        

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